Kultur

Pop Michael Stipe kehrt zur Musik zurück – und würdigt ein 25 Jahre zurückliegendes Kapitel seiner einstigen Band R.E.M.

Ex-R.E.M.-Sänger Michael Stipe - Abschied vom Ausstieg

Archivartikel

Überraschend verkündete die mit über 80 Millionen verkauften Tonträgern erfolgreichste Rockband der 1990er Jahre am 21. September 2011 ihr Aus. Ganz ohne Streit gehe man auseinander, betonten Michael Stipe, Mike Mills und Peter Buck, besser bekannt als R.E.M. Bei dem Split soll es auch bleiben, sagt Frontmann Stipe jetzt der Deutschen Presse-Agentur in Berlin in einem seiner seltenen Video-Interviews: „Das Kapitel R.E.M. ist vorbei.“ Stattdessen hat er Anderes vor – unerwarteterweise auch wieder als Musiker.

Während Bassist Mills und Gitarrist Buck mit diversen Projekten – unter anderem in der prominent besetzten Spaß-Kombo The Baseball Project – dem Business treu blieben, stieg Sänger Stipe 2011 aus. Nach mehreren Jahren als Bildender Künstler, Fotograf und interessierter Konzertbesucher kehrt er nun aber mit der ersten Single „Your Capricious Soul“ auf die größere Bühne zurück. Für ein Anliegen, das nach seiner Meinung derzeit wichtiger ist als jedes andere: Klimaschutz.

Engagement für die Umwelt

Der 59-Jährige engagiert sich für die weltweit aktive Bewegung Extinction Rebellion (übersetzt: Aufstand gegen die Auslöschung). Der neue Song erschien im Oktober – und klingt anders als die Musik, die Stipe mit R.E.M. gemacht hat. Er arbeite an weiteren Liedern, erzählt Stipe im dpa-Interview. Ob daraus ein Solo-Album werde, wisse er noch nicht. Der frühere R.E.M.-Sänger veröffentlichte „Your Capricious Soul“ zur Ermutigung des gewaltfreien Umweltaktivismus. „Ja, ich wollte die Single im Oktober herausbringen, um Extinction Rebellion vor der Klimaprotest-Woche zu unterstützen und um meine eigene Stimme hinzuzufügen – für eine Gruppe, die mich tatsächlich sehr optimistisch macht“, sagt Stipe. „Das erste Jahr mit den Erlösen meiner Musikaufnahmen kommt voll Extinction Rebellion zugute.“

Eine totale Überraschung ist Stipes Engagement nicht. Er komme „aus einer Tradition von Pro-Umwelt-Aktivismus. Schon 1981 haben R.E.M. eine Show für eine Umweltschutzgruppe gespielt.“ Früher habe man Greenpeace unterstützt, sagt der Musiker. „Aber jetzt ist das Jahr 2019, da brauchen wir auch so etwas wie Extinction Rebellion, einen gewaltfreien Klimaprotest, um den Regierungen in der ganzen Welt entgegenzutreten und zu sagen: Ihr tut nicht genug.“

Am fürchterlichsten von allen findet Stipe den Präsidenten seines eigenen Landes, Donald Trump. „Ich habe mir in New York ein T-Shirt gekauft, darauf steht in 14 Sprachen: ,I’m sorry about our President’. Ich könnte mich als Amerikaner kaum mehr schämen, als ich es derzeit tue“, betont er im dpa-Gespräch. Zudem seien die Wiederwahl-Chancen Trumps wegen des „bizarren Wahlsystems“ der USA leider groß – obwohl nach Stipes Einschätzung nie und nimmer 50 Prozent der Amerikaner denken, der Amtsinhaber mache einen guten Job.

„Nicht den leichten Weg nehmen“

Das Interview hat sich längst Richtung Klima- und US-Politik entwickelt – dabei war der Anlass ein ganz anderer: Gemeinsam haben die ursprünglich vier Musiker von R.E.M. – neben Stipe, Mills und Buck auch der 1997 ausgestiegene Schlagzeuger Bill Berry – eine opulente Neuauflage zum 25. Jahrestag ihres Albums „Monster“ erstellt. Es kam mit seinen rauen Rocksongs seinerzeit bei vielen Fans nicht gut an – „Monster“ irritierte nach dem Welterfolg der prächtigen Balladenplatte „Automatic For The People“ (1992).

„Für uns ist es ein ganz besonderes Album“, sagt Stipe. Die Band habe sich damals entschieden, „nicht den leichten Weg zu nehmen, sondern etwas radikal Anderes zu machen“. Auch Bassist Mills meint im Interview, die Platte habe eine zweite Chance verdient. „Bei ,Monster’ haben wir tatsächlich freiwillig die Verstärker aufgedreht und die großen Gitarren rausgeholt, und wir hatten eine gute Zeit. Neben schönen ruhigen Platten wollten wir eben auch laut brüllende Platten machen. ,Monster’ war so eine.“ Dank der Jubiläums-Edition mit fünf CDs plus BlueRay erkenne man, „wie stark die Lieder sind. Das hat Bestand.“

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