Kultur

Jazz Audiovisuelles „Unkonzert“ bei B-Seite-Festival

Experiment fasziniert Zuschauer

Wenn sich, wie in Mannheims Alter Feuerwache, sieben routinierte Jazzmusiker einfinden und gleichzeitig dasselbe Stück spielen, könnte man glauben, es handelte sich um ein Konzert. In der Reihe „B-Seite – Festival für visuelle Kunst und Jetztkultur“ nennt man es jedoch zu Recht „Unkonzert“. Denn mit der Holzbläserin Alexandra Lehmler, Trompeter Thomas Siffling, Tenor- und Baritonsaxofonist Lömsch Lehmann sowie den drei Rhythmikern, Drummer Erwin Ditzner, Bassist Matthias Debus, Claus Kiesselbach am Vibrafon, und der Keyboarderin Anke Helfrich hat man zwar Musiker von beachtlichem Kaliber eingeladen.

Doch liegt der Schwerpunkt hier nicht nur auf der Musik. Auf sieben getrennten kleinen Bühnen und ohne Sichtkontakt zueinander, nur verbunden durch Kopfhörer und einem kaum auskomponierten, freien Stück, beraubt man die Musiker wichtiger Komponenten für das Zusammenspiel eines Ensembles im Konzert. Das Experiment erzeugt eine Art musikalisches Kaspar-Hauser-Syndrom, dessen Wahrnehmung durch die umherwandernden Zuschauer noch von sieben getrennten Projektionen beeinflusst wird.

Gute Konzentration notwendig

Hier geht es nicht um jene Tonkunst, die, gelungen oder nicht, einen Zusammenklang erzeugen soll. Hier wird eher das Gegenteil gezeigt – ein „Getrenntklang“, der doch stets versucht, musikalische Gemeinsamkeiten zu finden. Herausgerissen aus ihrem gewohnten Kontext kann und soll hier nicht zusammenkommen, was doch eigentlich zusammen will. Wer hier jedoch nur Kritikwürdiges vermutet, liegt falsch.

Das Experiment ist gleichermaßen faszinierend und gelungen. Zeigt es doch einerseits, wie audiovisuelle Kunst Wahrnehmungen verändern kann. Andererseits verdeutlicht es, warum und wie sich verschiedene Kunstformen zu dem entwickelten, was sie heute sind. Ein „Unkonzert“ fordert von Künstlern wie Zuhörern deutlich mehr Konzentration als sein Gegenteil.