Kultur

Mozartfest Bamberger Symphoniker und Schumann Quartett boten Kontraste

Experimenteller Musikabend

Archivartikel

Ganz schön viele Musiker an einem Ort – das ist der erste optische Eindruck, der den Besucher des Kaisersaalkonzerts am Donnerstag beim Würzburger Mozartfest mit Blick auf die Bühne auffiel: Die Bamberger Symphoniker sind schon alleine ein personalstarkes Orchester, verstärkt hatten sie sich für diesen Abend abermals um Vier: Die Musiker des Schumann Quartetts, in diesem Jahr „Artiste étoile“ des Mozartfests. Stark war aber auch das Programm des rund zweistündigen Konzerts, das nicht mit Kontrasten geizte und einen einmaligen musikalischen Hörgenüssen bot.

Der Konzertabend in der Würzburger Residenz bot in vielerlei Hinsicht die ganz große Klammer dessen, was man sich alles wünscht beziehungsweise das Mozartfest zu bieten hat: mit den Bamberger Symphonikern ein deutsches Orchester von Weltruhm, das zu den Stammgästen des Festivals gehört; mit einem nicht selbstverständlichen, aber für einen solchen Abend irgendwo logischen Mozart-Stück zum Einstieg; dem „Artiste étoile“, der erstmals in vierfacher und nicht in Solo-Ausführung kommt und in insgesamt acht Konzerten und unterschiedlichen Formationen während der Festivalwochen zu hören sein wird. Mit einem Werk von Arvo Pärt wurde der Komponist gewürdigt, der in diesem Jahr beim Mozartfest im Fokus steht. Und mit Beethovens 5. Sinfonie zum Schluss kam sogar noch ein echter Klassiker der konzertanten Musik zu Gehör.

Mozarts Ouvertüre zur Oper „La clemenza di Tito“ als Einstieg in ein solches majestätisches Konzert zu wählen, erwies sich als wahrer Glücksgriff: Die rund fünf Minuten energetische Musik lassen gleich mal aufhorchen und zeigen dem Zuhörer, wo die Reise an diesem Abend lang gehen wird: in die große, weite Welt der Musik, die so viel Schattenspiel und Farbe zu bieten hat.

Die von Mozart zur Krönung Leopolds II. zum König von Böhmen geschriebene Oper sollte seine letzte sein – entsprechend kommt bereits in der Ouvertüre der gereifte Mozart zu Gehör, der seine Verspieltheit der jungen Jahre mittlerweile mit einem sicheren Beherrschen der Koloratur und einer gehaltvollen, variantenreichen musikalischen Bildsprache eingetauscht hat.

Szenenwechsel

Szenen- und Tapetenwechsel: Das Schumann-Quartett lässt Arvo Pärts Komposition „Fratres“ (deutsch: Brüder) erklingen. Und „schockt“ geradezu mit den ruhigen, elegisch daher kommenden Melodien und Harmonien, die oft ins dissonante abzugleiten scheinen, um dann die „Kurve“ doch wieder zu kriegen.

Für das 2007 in Köln gegründete Quartett ist das Stück in mehrerlei Hinsicht ein Aushängeschild. Zum einen hatte das deutsch-estnische Ensemble das Stück kürzlich neu mit dem estnischen Komponisten Arvo Pärt erarbeitet, das auch auf der mit dem Jahrespreis der deutschen Schallplattenkritik ausgezeichneten CD-Einspielung „Landscapes“ zu hören ist. Zum anderen sind Erik (Violone), Ken (Violine) und Mark Schumann (Violoncello) tatsächlich Brüder, die sich seit 2012 mit Liisa Randalu an der Viola verstärkt haben. „Fratres“ in dieser Fassung ist im Übrigen keine Selbstverständlichkeit: Pärt hatte das etwa zehn Minuten lange Werk auch für andere Instrumentierungen, darunter mit Percussion, arrangiert.

Auch wieder ein Spätwerk: Beethovens Große Fuge für Streichquartett B-Dur op. 133, ein Jahr vor dem Tod des Komponisten fertig gestelltes Stück, das eigentlich keine Fuge im Bach’schen Sinne ist, sondern durch seinen freien Stil schon lange die Kenner entzückt.

Direkt im Anschluss an Pärts „Fratres“ fällt auf, das beide Komponisten eigentlich in ihren musikalischen Ideen gar nicht so weit voneinander entfernt liegen. Bei den durchaus schnellen, stark akzentuierten Partien konnte das Schumann-Quartett auch seine forsche Seite zeigen.

Dass Beethovens 5. Sinfonie schon vielfach interpretiert wurde und jeder Klassik-Kenner zu ihr eine besondere Beziehung und Meinung hat, das wissen die Bamberger Symphoniker und ihr Dirigent John Storgårds natürlich auch. Warum dieses Werk also doch immer wieder aufführen? Am Donnerstag bewiesen die Bamberger meisterhaft, dass es sich hierbei eben immer noch um ein faszinierendes Stück Musik handelt, dessen Zauber sowohl Musiker als auch Musikhörer immer wieder aufs Neue ergreift.

Der Kaisersaal der Würzburger Residenz wurde nur so mit Klang erfüllt, sodass donnernder Applaus sicher war. ele