Kultur

Pop Schlagzeuger Martin Grubinger in Ludwigshafen

Expressiver Enthusiast

Archivartikel

Als öffentliche Person mag Perkussionist Martin Grubinger (Bild) eine zurückhaltende Erscheinung sein – als Musiker ist er eine Wucht. Denn auch, wenn ein bestens besetztes Feierabendhaus in Ludwigshafen an diesem Abend vergebens auf das Duo aus Vater und Sohn wartet: Was Grubinger seinen Fans in fast drei Stunden Konzert um die Ohren schmettert, hat es wahrlich in sich.

Das nimmt schon bei „Thirteen Drums“, einem Werk des Japaners Maki Ishii, seinen Lauf. Denn in einer Welt unendlicher Vielfalt übt sich der 35-jährige Schlagzeug-Virtuose aus Salzburg hier bewusst in technischer Reduktion und formt so eine Aura des Archaischen. Eine schier verloren geglaubte Kraft, die sich in Kalevi Ahos wuchtigem Schlagzeug-Konzert „Sieidi“ sichtlich Bahn bricht. Der spirituelle Glaube des finnischen Lapplands schlägt sich hier nicht nur auf der Djembé und den Woodblocks nieder – es ist auch das Percussive Planet Ensemble um Pianist Per Rundberg, das die Wogen zwischen zornigem Naturalismus und meditativer Poesie in Noten kleidet. Und Grubinger? Der wütet. Und leidet. Er schwitzt. Und kämpft rastlos weiter fort. Zwischen Marimba und Cajón ist seine Wanderschaft eine endlose, der Anschlag zwischen technischer Perfektion und gebotener Imposanz ein beeindruckendes Erlebnis.

Luft für Unkonventionelles

Dass Grubinger bewusst Luft für Unkonventionelles lässt, spricht für die Dehnung des eigenen Genres, das sich mit John Psathas’ „One Study“, nicht nur um Live-Elektronik und Kochtöpfe erweitert, sondern vor allem in der 45-minütigen Suite die große Klammer wagt. Bisweilen schmerzhaft virtuos spannt der expressive Enthusiast mit seinen vier Mitstreitern den Bogen zwischen Friedrich Cerha, Mongo Santamaría und Dmitri Schostakowitsch und liefert ein magisches Beispiel für die Unendlichkeit perkussiver Möglichkeiten, die Bachs Cellosonate nur noch lyrisch abrunden muss. Meisterlich!