Kultur

Jazz Kicks’n Sticks mit Gastposaunist Ludwig Nuß in Mannheim

Exquisite Blütenlese

Archivartikel

Es sei schon bemerkenswert, auf welche ungewöhnlichen Orchester-Partituren Kicks’n Sticks, das Big-Band-Unternehmen der regionalen Jazzszene, durch die Konzertreihe „Sundaykick“ Zugriff gewinne; einfach deswegen, weil der jeweils eingeladene Gastsolist die Notenblätter dazu mitbringe. Martin S. Schmitt, musikalischer Leiter an diesem Abend in der Alten Feuerwache, erwähnt es in einer Ansage – und präsentiert mit seinen Musikern eine exquisite Blütenlese auf dem Gebiet des aktuellen Big-Band-Jazz.

Da erklingt zum Beispiel „Satin Doll“, eine der bekanntesten Melodien aus der Feder von Duke Ellington, in einer derart verfremdeten Fassung, dass das Thema kaum mehr zu erkennen ist – Souvenir von einer früheren Begegnung der Band mit dem Trompeter und Arrangeur Ralf Hesse, der sich diese intelligent gemachte Neuinterpretation eines Stücks Jazz-Tradition hat einfallen lassen. Oder, auch einen Jazz-Standard betreffend, die Ballade „Young And Foolish“: Michael Abene, der frühere Chefdirigent der WDR-Bigband, hat sie arrangiert, mit vielen delikaten Klarinetten-Tönen aus dem Saxofonsatz als maßgeschneidertes orchestrales Bett für ein Solo des Posaunisten Ludwig Nuß.

Er ist seit langen Jahren Mitglied der Kölner Elitetruppe und diesmal hier Gastsolist. Einer der besten seines Fachs in Deutschland, das stellt er jetzt nachdrücklich unter Beweis. Ausgestattet mit einem großen, warmen Ton auf der Posaune, improvisiert Nuß mühelos wendig, dabei gestochen scharf im gesamten Bereich zwischen schrillen Höhen und rumpelnder Kellertiefe, ohne je den Eindruck eines seelenlosen bloßen Virtuosen hervorzurufen.

An einem Nachmittag einstudiert

Mitgebracht hat er überwiegend eigene Kompositionen, orchestriert von verschiedenen Arrangeuren. Deren oftmals recht komplexe Partituren hat er mit Kicks’n Sticks an nur einem Probennachmittag einstudiert und zeigt sich zu Recht voll des Lobes über die Leistung dieser Big Band aus überwiegend noch ganz jungen Musikern. swm