Kultur

Klassik Martin Grubinger und Freunde im Rosengarten

Extralanger Actionfilm

Wer als Weltmeister der harten Schlagfolgen, als Held der Hochgeschwindigkeits-Percussion gilt, will hin und wieder zeigen, dass er auch ganz anders kann. Was Martin Grubinger bei seinem Mannheimer „Pro Arte“-Auftritt gleich zu Anfang tut: in „Solo XV“ für Marimba, einem nagelneuen Stück. Kalevi Aho hat es komponiert, der Finne lässt das etwa zwölf Minuten lange Werk meist im Piano oder sogar Pianissimo verharren. Leise Schläge auf dem Triangel ergänzen den Marimba-Klang im Mozartsaal des Rosengartens äußerst feinfühlig. Das Solo ist ein langes Raunen, Flüstern und Zur-Ruhe-Kommen.

Maki Ishiis „Thirteen Drums“ sorgen danach für einen kernigen Kontrast. Sie geben sich bretthart und knochentrocken. „Falls Sie glauben, dass ich mich nur austobe, liegen Sie falsch“, gibt Grubinger per Mikro durch. Tatsächlich ist es eine Triebabfuhr nach Partitur, denn jeder Hieb steht in den Noten. Und auch hier zeigt sich der 36 Jahre alte Star aus Österreich nie nur als Haudrauf, sondern stets auch als Ballettmeister unter den Schlagwerkern.

Bach als „Betthupferl“

Zwar kann man manchen der in Mannheim aufgeführten Stücke Redundanz und Überlänge attestieren, nicht zuletzt der großen Suite im zweiten Teil des Abends, auf nun vollends mit Percussion-Instrumenten zugeparkter Bühne. Aber Grubinger und seine tüchtigen Ergänzungsspieler bauen zwischen Schostakowitsch, Latin Music, Disco-Soul und afrikanisch Infiziertem viele Höhepunkte ein. Hervorzuheben ist die „Xylofon-Schlacht“. Friedrich Cerha, Komponisten-Altmeister aus Wien, hat sie geschrieben.

Nach „so viel komplexem Zeug“ (wie Moderator Grubinger befindet) ist die Ragtime-Zugabe trotzdem die reine Freude. Und danach gibt es noch Bach als exklusives „Betthupferl“: die Sarabande aus seiner dritten Suite für Cello, auf die Holzklangstäbe der Marimba hingetupft. Ganz weich. Und fast zu leise für den riesengroßen Mozartsaal.

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