Kultur

Literatur Lyriklesung des Dichterkollektivs Kamina

Facetten der Heimatliebe

Heimaten ist ein komisch anmutendes Wort, denn obschon grammatisch korrekt, neigt man zu fühlen, dass der Mensch doch nur die eine Heimat haben kann. Aber was ist Heimat überhaupt? Wenige Fragen gibt es, die in Zeiten von Heimatministerium und Mittelmeer die Öffentlichkeit derart ratlos bewegen und deren Beantwortung so schwer ist, dass sie vielleicht nur die Dichter finden können.

In sechs Abenden versuchte der Heidelberger Theatermacher Hubert Habig aus dem AKT-Theater mit Blick auf die Premiere seines Stückes „Heimaten. Fremde Räume – andere Stimmen“ am 5. Oktober eine Antwort zu finden. Den Abschluss dieses Heimatzyklus’ bildete nun das Heidelberger Dichterkollektiv Kamina mit einer Lesung über Heimatliebe im Romanischen Keller.

Kreuzritter in Kreuzreimen besungen

So vielschichtig der Heimatbegriff ist, so vielschichtig muss die Poesie darüber sein und so erfolgreich gelingt das dem international zusammengestellten Dichterkollektiv. Da glorifiziert der Amerikaner Les Green das Baseballfeld, Rosa Malek verliebt sich in den Mittelrhein und die Ukrainerin Olga Kovalenko mystifiziert die Heimatlosigkeit in einem bilingualen deutsch-russischen Gedicht. Trifft das weiche Sehnen des Russischen auf die harten Knacklaute des Deutschen, macht das deutlich, wie universell die Sprache der Poesie ist.

Geschieht das alles in vorrangig freien Rhythmen, sticht Manuel Beck mit seinem auftrumpfend rezitierten dramatischen Monolog in zweihebigen Jamben und Kreuzreimen hervor. Über einen Kreuzritter geht es dort, der im Angesicht des Todes Weib, Kind und Gott vermisst, und die Zeitlosigkeit des Themas verdeutlicht. So verschieden die Texte sind, so eindeutig ist deren Antwort: Heimat ist kein nationales Konstrukt, sondern eine persönliche Größe. Heimat ist dort, wo sich der Einzelne zuhause fühlt, und um das zu spüren, braucht es die Fremde. Heimaten gibt es dann also auch. Igl