Kultur

Filmfestival "Happy" und "Life" - zwei Dokumentationen

Facetten des Menschen

Nach Europa gehen - oder es hinter sich lassen? Je nach Erfahrung und Herkunft können Wünsche so unterschiedlich sein. Das bestätigen auf eindrückliche, aber sehr verschiedene Weise zwei Dokumentationen, die das Festival des deutschen Films im Wettbewerb um den Filmkunstpreis zeigt. Da ist Dieter, Anfang sechzig, der in der Eifel lebt. Er arbeitet in der Verwaltung und bewirtschaftet einen Bauernhof. Doch er würde lieber in Thailand leben, mit einer Thailänderin als Frau, die er im Urlaub kennengelernt hat.

Davon erzählt "Happy", den seine eigene Tochter, Carolin Genreith, inszeniert hat. Sehr persönliche Gespräche zwischen Vater und Tochter geben der Dokumentation ihre besondere Note, die sich auf Dieters Spuren begibt, ihn nach Thailand begleitet, wo er Tukta heiratet, und dann mit ihm das Für und Wider des dortigen Familienlebens erörtert.

Dieter sucht das Glück. Ob er es wirklich findet, bleibt offen. Denn er pendelt und schwankt weiterhin zwischen den Kontinenten und Kulturen. Ebenso ergeht es seiner Frau. Ein ehrlicher, menschlicher Film ist "Happy". Er zeigt, dass kleine Geschichten viel vom großen Ganzen enthalten und sich Grenzen erst auf den zweiten Blick ergeben können oder sich dann erst zeigt, wie schwer sie tatsächlich zu überwinden sind.

Gelebte Gemeinschaft

Davon handelt buchstäblich auch "Life - Saaraba - Illegal", eine Dokumentation von Peter Heller, der ganze neun Jahre lang seine afrikanischstämmigen Protagonisten begleitet hat. Auf einer zum Senegal gehörenden Insel beginnt der Film. Zwei Brüder stehen im Zentrum, für beide ist Europa das Paradies. Der eine gelangt nach Spanien und schlägt sich als Illegaler durch, sein Bruder folgt ihm nach. Ein Paradies finden beide nicht. Ihr Vater erzählt davon, wie er früher in Frankreich war und schnell Arbeit fand. Er kam mit Geld zurück und lebt seither zufrieden.

Seinen Söhnen scheint diese Perspektive nicht offenzustehen. In europäischen Städten vereinzelt der Mensch, weiß der Alte, auf der Insel werde Gemeinschaft gelebt. Nur sind die Lebensbedingungen kärglich. Daraus ziehen Menschen unterschiedliche Konsequenzen. Nur die Suche nach Glück verbindet sie. Facetten des Menschlichen beleuchten beide Dokumentationen. Bei allen Unterschieden sind beide von einem warmen, humanen Grundton beseelt. Sachlich und analytisch bleiben sie doch und erweisen nicht zuletzt darin ihren Wert.