Kultur

Literatur Bela B liest in der Alten Feuerwache zweimal aus seinem Debüt-Roman „Scharnow“

Fanta-Korn und viel zu lachen

17 Uhr ist noch nicht lange durch, da schenkt Bela B Felsenheimer seinen Zuhörern in der Alten Feuerwache schon „Mische“ aus: 55 Prozent Fanta, 45 Prozent Korn. Das Getränk, das die vier Jungs vom „Pakt der Glücklichen“ in seinem Debüt-Roman „Scharnow“ so gerne trinken. Aus dem liest der Künstler, bekannt vor allem als Schlagzeuger der Ärzte, als Zugabe des Literaturfests „Lesen.Hören“. Gleich zweimal betritt er vor ausverkauftem Haus die Bühne. Bela B sagt es, bescheiden wie man als Mitglied der selbst ernannten „besten Band der Welt“ eben nur sein kann, selbst: „Was für eine Zugabe!“ Vom „neuen Bestseller-Autoren“, vom „Stachel im Fleisch der etablierten Autoren“.

Juli Zeh und Ferdinand von Schirach, behauptet er, spürten seinen heißen Atem schon in ihren Nacken. Es ist herrlicher Schabernack, den er vorliest. Aus einem episodenreichen Buch, das völlig schamlos alle Genre-Grenzen sprengt. Er erzählt von den jungen Männern des Pakts, die definitiv zu viel „Mische“ getrunken haben und deswegen den „Billkauf“ im brandenburgischen Scharnow überfallen. Den Supermarkt, in dem sie eben noch einkaufen waren. Zurück kommen sie nackt, mit Papiertüten überm Kopf und mit Bratengabel bewaffnet.

Winselnde Zeugin des schrägen Raubzuges ist Claudi, Portugiesische Wasserhündin („gut für Allergiker!“) und Schwester von Barack Obamas Haustier Bo. Ein Verwandtschaftsverhältnis, das der Hündin zum Verhängnis werden soll: Denn Claudi fällt einem Attentat des „Bunds skeptischer Bürger“ zum Opfer, schlicht, weil die Verschwörungstheoretiker an ihren berühmten Bruder nicht herankommen. Notgedrungen treffen sie die „Weltenlenker“ – eine geheime Macht – über den Umweg Claudi (in Brandenburg!) direkt ins Herz. Ein Anschlag aufs Pentagon, da sind sich die Skeptiker sicher, könnte kaum effektiver sein. Doch wirklich tot ist keiner so schnell in Scharnow, es gibt schließlich noch den „Seelenparkplatz“.

Sympathischer Größenwahn

Bela B, auch Synchronsprecher und Schauspieler, liest mit verstellter Stimme. Er bellt. Er schlängelt sich sicher durch Bandwurmsätze, „wie sie sonst nur Thomas Bernhard geschrieben hat“. Der Autor hängt an seinen Figuren, 38 tragende Protagonisten hat er mit Herzblut geschaffen: „Das hat mich in der realen Welt ein paar Freunde gekostet.“

Seine diebische Begeisterung, der sympathische Größenwahn, die Geschichten aus dem Leben eines Autors reißen mit. Etwa wenn er vom Lektor erzählt, der das schräge Science-Fiction-Kapitel lediglich mit einem Satz kommentiert habe: „What the fuck?“ Ja: Was zum Teufel geht im Kopf dieses alterslosen Punkrockers (56!) herum? Auf jeden Fall: noch immer ausgesprochen viel Skurriles. Es macht viel Spaß, ihm dabei zuzuhören. Auch ganz ohne Mische. akj