Kultur

Kulturrätsel (Teil 3) Gesucht wird eine lange sehr beliebte Pop-Hymne über die Vorzüge der Quadratestadt

Fast schon erotische Heimatliebe

Lokalpatriotismus ist etwas Schönes. In besonderen Fällen nimmt er fast schon überhand. Dass die Liebe zur Heimatstadt eine nahezu erotische, zumindest auf Beziehungsebene angesiedelte Dimension erreicht, wie es der Texter des hier gesuchten Liedes formuliert hat, ist aber eine absolute Seltenheit: „Denn meine Stadt, ist meine Frau / Der ich alles anvertrau’ / Glaube mir, ich bleibe hier.“ Nun, dieser Treueschwur war und ist sehr ernst gemeint. Auch wenn die Beziehung zwischen den Interpreten dieser im Jahr 2000 veröffentlichten Ballade und ihrer namensgebenden Heimatgemeinde zuletzt ein wenig gelitten hatte. Zumindest offiziell.

Bei den Open-Air-Konzerten zum Jubiläum der 1995 von ihrem langjährigen Frontmann erdachten Band wurde das Lied aber von Tausenden von Fans so inbrünstig mitgeschmettert wie zu den besten Zeiten des einst so familiären Musikerkollektivs. Denn auch wenn der Text hier und da etwas ungelenk formuliert ist und die Beatles harmonisch eine sehr deutliche Inspiration waren, gibt es bundesweit – außer vielleicht in Köln – kaum eine beliebtere Stadthymne als diese.

Denn die Vorzüge Mannheims wurden ansonsten nur in Bernhard Kaisers und Walter Hasslöchers Klassiker „Oh Monnem iss schää“ liebevoller herausgestellt. Im Text wird Autobiographisches wie das Geburtskrankenhaus („Monnem Städtisch“) geschickt mit den Vorzügen und Errungenschaften der Quadratestadt verknüpft – Pfunde, mit denen vorher lange viel zu wenig gewuchert wurde. Und die kein noch so gutes Stadtmarketing besser, geschweige denn authentischer hätte ins Schaufenster stellen können, als es in diesem Song passiert.

Der Textautor war zu Beginn seiner imposanten Karriere explizit angetreten, seinen Heimatort auf jede Wetterkarte zu setzen. In der auf Mundart gerappten ersten Strophe heißt es dann auch, dass er mit der Kurpfälzer Mundart halb Deutschland erschreckt habe, jetzt aber jeder der Stadt Anerkennung zolle. Schließlich sei das liebste Kind der Deutschen, das Automobil, in Mannheim erfunden worden. 

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