Kultur

Festival des deutschen Films Markus Busch nimmt in Ludwigshafen den Drehbuchpreis für "Am Abend aller Tage" entgegen / Erste Auszeichnung des Autors

Fast wie eine alte Henry-James-Novelle

Eine kurze E-Mail brachte dieses Filmprojekt ins Rollen. "Kauf Dir mal den neuen 'Spiegel'", stand darin. Der Absender der Botschaft war der Regisseur Dominik Graf. Der schon seit langer Zeit mit Graf vertraute Drehbuchschreiber Markus Busch empfing diese E-Mail, und im Nachrichtenmagazin "Spiegel" las er dann von jenem (Raub-) Kunstfund in München, der sich zur "Affäre Gurlitt" auswuchs - aber letztlich nicht zum Mittelpunkt des Films geworden ist.

Dieser berührt erst kurz vor Schluss die Wirklichkeit und widmet sich lieber einer fiktiven Vorgeschichte: Junger Mann sucht ein Gemälde und entscheidet sich zunächst vor allem deshalb für eine Affäre mit der Großnichte des alten Kunstsammlers.

Diese Geschichte hat dem Autor Markus Busch nun den Drehbuchpreis beim Festival des deutschen Films in Ludwigshafen eingetragen. Es sei seine allererste Auszeichnung, beteuert Busch, in Sachen Dankesworte habe er deswegen "null Erfahrung".

Besonders fantasiebegabt

Dafür klappt das schon ganz gut, ein Drehbuchschreiber legt ja auch seinen Figuren ständig in den Mund, was sie zu sagen haben, und Erfahrung spiele in seinem Metier eine nicht kleine Rolle, äußert Busch im Anschluss an die Preisverleihung im Gesprächszelt.

Mit dem Recherchieren freilich übertreibe er es nicht. Drei Typen von Autoren gebe es: Flaneure (die vor allem trefflich zu beobachten verstünden), Rechercheure und "Imaginierer". Dieser letzten Gruppe der besonders Fantasiebegabten fühlt sich Drehbuchautor Busch verbunden.

Allerdings benutzt er in seinem Film "Am Abend aller Tage" auch die Imagination berühmter Vorbilder und füllt das Schriftstellerformat des Drehbuchautors, das der Festivalchef Michael Kötz in seiner Ludwigshafener Laudatio postuliert, auch anderweitig aus: indem er auf "The Aspern Papers", eine Henry-James-Novelle aus dem Jahre 1888, vielfältig Bezug nimmt. In der Grundstruktur genauso wie in mancher inhaltlichen Einzelheit.

Nicht nach Schema F

Und trotzdem schreibt Busch eine Drehbuchvorlage, die nicht dem Schema F folgt. Die Dramaturgie etwa macht häufig kleine Sprünge - und gestattet Leerstellen. Dominik Graf hat daraus einen Film gemacht, der mehr riskiert, als es der deutsche Fernsehzuschauer zur besten Sendezeit gewohnt ist. Nicht nur, weil die Sexualität zeigenden Szenen ziemlich explizit dem "körperhaften" Film verpflichtet sind, den Dominik Graf immer beschwört. Er lässt sogar die Leinwand bluten - jene auf der Staffelei zumindest. Denn die Großnichte des Kunstsammlers ist ihrerseits als Künstlerin begabt, was eine freie Anspielung auf die Verhältnisse im Hause Gurlitt ist: Die Gurlitts waren eine ganze Dynastie von Kunsthändlern und Malern.

Ihre Obsession sei durchaus echt gewesen, findet Markus Busch. Kunstreligiöse Anwandlungen sind dem alten Erben daher durch das Skript erlaubt, man kann sie glauben oder nicht. Gespielt wird er vom großen Ernst Jacobi. Was ihn glaubwürdiger macht.