Kultur

Enjoy Jazz Im Ludwigshafener Kulturzentrum das Haus präsentiert das Trio Rewa entrückte Weltmusik auf zum Teil exotischen Instrumenten

Faszinierende Stunde des Schamanen

Ein schamanenhafter Auftritt steht am Anfang des Konzerts: Rob Thorne durchquert den dunklen Saal des Ludwigshafener Kulturzentrums das Haus und bläst dabei eine Art Alphorn aus den Bergen von Neuseeland. Es sieht wie ein langer Elefantenrüssel aus und klingt auch so, wenn Thorne tief durchschnauft. Außerdem schwingt er das Teil wie eine Wünschelrute hin und her. Musik ist das zwar zweifellos, aber nicht nur: Es ist vor allem auch Magie.

Und eine Form der Religionsausübung, denn die Instrumente der aus Polynesien eingewanderten Maori-Ureinwohner von Neuseeland wollen mit Gottheiten Kontakt aufnehmen. Und die Laute der Natur kopieren und womöglich sogar steigern. 24 dieser Instrumente, über deren Namen unsere Germanen-Zungen arg ins Stolpern kommen, hat Rob Thorne nach Ludwigshafen mitgebracht, sie liegen auf einer mit dunklem Stoff behängten Schatztruhe. So wird aus dem Konzertsaal auch ein ethnologisches Museum.

Ausflug ins Innere eines Flügels

Unter der Projektbezeichnung Rewa hat sich Thorne Tania Giannouli mit ins kulturelle Rettungsboot geholt, die Pianistin stammt aus Griechenland und sucht auf ihre Art, wie Thorne, eine moderne Einfachheit und zeitgenössische Archaik. Geht im Inneren des Flügels (auf der von ihr häufig präparierten Drahtverspannung) dem Klavierklang auf den Grund. Als Dritter stößt im Haus der italienische Percussion-Spezialist Michele Rabbia zu dem eingespielten Tandem, und es klingt, als sei er stets als wesentliches Bindeglied dabei gewesen.

Es ist rituelle Weltmusik, die für die Kunst der Tonerzeugung einen semi-paradiesischen Naturzustand zurückgewinnen möchte. Und es ist auf keinen Fall ein Beutezug. Eher ein Akt des kulturellen Artenschutzes, schließlich hat Rob Thorne auch selbst Maori-Vorfahren. Am Ende gibt er wieder den Schamanen – der während der ersten Zugabe verschollen bleibt. Aber zur zweiten wiederkehrt, in eine große, wunderschöne Muschelschale bläst und sie mit Klagelauten flutet.

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