Kultur

Jazz Sarah Lipfert singt im Mannheimer Ella & Louis

Federnde Grooves

Archivartikel

Man könnte die ersten beiden Stücke des Abends auch als einen Miniatur-Zyklus betrachten, der die wechselvollen Aggregatzustände des Jazz in eine Klammer der Ruhe setzt: „A Beautiful Love“ startet Sängerin Sarah Lipfert ganz allein, klar und ausdrucksstark geführt, mit warmem vokalem Schimmer. Dietmar Fuhrs Kontrabass beginnt damit, erste Ranken um ihre Stimme zu schlagen, verbindet sich mit Daniel Prandls Piano und Holger Neswedas Schlagzeug bald zu einem hochdynamischen, feinnervig verzahnten Geflecht. Bei der darauffolgenden Interpretation von Miles Davis’ „All Blues“ lässt Prandl sein Klavierspiel auf wunderbar kapriziösen Wegen durch vielverzweigte Klanggassen streifen, der Gesang weht wie eine Sommerbrise, der Bass bindet das Ohr an repetitive Sog-Figuren, und das Schlagzeug wirbelt packend federnde Grooves durch die Luft – bevor die Musiker das Stück schließlich hauchzart und leise wieder zur Landung bringen.

Studium an Musikhochschule

Ein starker Einstieg in das rund zweistündige Konzert der „New Jazz Voices“-Reihe im voll besetzten Mannheimer Ella & Louis, bei der das Gastgeber-Trio mit Sarah Lipfert eine kongeniale Mitstreiterin begrüßen kann, der die Stadt und ihre Szene bestens vertraut sind: Die Karlsruherin hatte nicht nur an der Mannheimer Musikhochschule studiert (heute hat sie einen Lehrauftrag in Stuttgart), sondern hier auch mit ihrer Formation Sarahs Ballroom jazzige Spuren hinterlassen.

Aus dem Repertoire dieser Band – in der weiland Daniel Prandl Piano spielte – stammt auch Pat Methenys „Minuano“, dessen Interpretation einen weiteren Glanzpunkt des Abends setzt. Toll auch: „Resolution“ aus John Coltranes Opus Magnum „A Love Supreme“, das hier auf sprungstarken Samtpfoten in den Groove-Modus schnellt. Dafür gibt es reichlich Applaus und im Gegenzug zwei feine Zugaben – Billie Holidays „God Bless The Child“ und Cole Porters „Love For Sale“ – zum Abschluss eines fabelhaften Konzertes.

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