Kultur

Heidelberger Frühling Solistische Marienvesper

Feingliedrig und zart

Archivartikel

Markus Uhl hat sich bei dieser Aufführung von Monteverdis Marienvesper für eine Version entschieden, die der Transparenz und Detailgenauigkeit den Vorzug gibt vor großchorischen Klangfassaden. Im Programmheft wird für diese Art der musikalischen Interpretation um Verständnis geworben, um Enttäuschungen beim Publikum vorzubeugen – doch das ist gar nicht nötig. Denn die Aufführung in der Heidelberger Jesuitenkirche überzeugt vom ersten Moment an.

Die acht Sängerinnen und Sänger, die hinter dem fabelhaften Barockorchester L’arpa festante Aufstellung genommen haben, sind sowohl für die solistischen als auch für die Chorpartien zuständig. Die Sopranistinnen Hanna Zumsande und Regina Kabis, die Altisten Franz Vitzthum und Christian Rohrbach, die Tenöre Daniel Schreiber und Henning Jensen sowie Bariton Thomas Scharr und Bass Ekkehard Abele sind vorzügliche Solisten. Die Stimmen vereinen sich im Chor zu hymnischem Ausdruck.

Diskretes Continuo

Auf die instrumentale Verdoppelung der Gesangsstimmen wird bei dieser Aufführung verzichtet. Lediglich ein Continuo mit Laute (Johannes Vogt) und Orgelpositiv (Rien Voskuilen) grundiert die Ariengesänge mit diskreter Zurückhaltung. Doch sie umgeben den Gesang mit einer sanft leuchtenden Aura. Und in den breiter angelegten Chorpartien liefern Posaunen, Zinken und Streicher einen feierlichen, pastoralen Frühbarock-Klang, der die kontemplative Sakralität der Texte unterstreicht.

Wobei sich bei Monteverdi geistliche und weltliche Sphären mischen, was im Ensemble gelegentlich mit tänzerischem Schwung und in lebhaften dialogischen Szenen bestätigt wird. Für klangliche Abwechslung sorgen die drei Zinkenisten im Instrumentalensemble, die sich unverhofft auf Blockflöten vernehmen lassen.

Pointierte Zeichengebung

Dirigent Markus Uhl leitet diese Aufführung mit pointierter Zeichengebung und einer ausdrucksvollen Körpersprache, die den Schwung in Monteverdis Musik aufnimmt. Der Verzicht auf klangliche Verstärkung hat einen Gewinn an Feingliedrigkeit und emotionaler Zartheit zur Folge, der im Publikum mit hochkonzentrierter Faszination verbucht wird.

Das abschließende Magnificat lässt feierliche Andacht in einen lebensbejahenden Jubel münden – zu welchen Höhenflügen des musikalischen Ausdrucks ein Komponist auf der Schwelle von der Renaissance zum Barock in der Lage war, hat diese Marienvesper aufs Schönste dokumentiert.