Kultur

Fernsee-Hund

Archivartikel

Während die Mainzelmännchen asiatischen Comicfiguren immer ähnlicher werden, stellt sich die Frage nach anderen Helden der vorabendlichen Werbeblöcke: Während der SWR sein Äffle und Pferdle aus dem Ruhestand geholt hat und deren Sprecher mit dem „Hafer- und Bananenblues“ sogar auf Konzerttournee gehen, ist Onkel Otto seit rund zehn Jahren berentet. Das teilt der Hessische Rundfunk (hr) trotz neuer Datenschutzverordnung über sein Maskottchen mit. Der 1958 vom Zeichentrick- und Werbefilmer Hans Fischerkoesen aus Kösen erdachte graue Fernseehund (später: Fern-Se(e/h)- hund) mit dem großen hr-H auf dem Kopf war immerhin gut 50 Jahre im Einsatz.

Da ist der (Un-)Ruhestand wohlverdient, bringt aber auch für gezeichnete Rentner jede Menge Termine mit sich. Zuletzt musste Onkel Otto 2018 als Plastik von Michelstadt im Odenwald zum Hessentag ins nordhessische Korbach trampen. Ob das artgerecht war? Überhaupt gab es zu fast jedem dieser Landesfeste hübsche Werbefiguren, die heute bei EBay und Co. erstaunlich niedrig im Kurs stehen. Das sieht man leider auch daran, dass der „Onkel-Otto-Shop“ seit 2005 „hr-shop“ heißt und keine seehundförmigen Fernseh-Hunde mit Bürsten-Schnauzbart mehr führt. Aber besser so, als ein Dasein mit Riesenaugen im Manga-Stil zu fristen. Jörg-Peter Klotz

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