Kultur

Frankenfestspiele Röttingen „Die Drei von der Tankstelle“ feierten eine erfolgreiche Premiere

Filmklassiker glänzt auch auf der Bühne

Archivartikel

Als zweite Premiere der diesjährigen Spielzeit präsentieren die von Knut Weber, dem Intendanten des Stadttheaters Ingolstadt, geleiteten Frankenfestspiele Röttingen den Filmklassiker „Die Drei von der Tankstelle“ auf der Bühne vor der Burg Brattenstein.

Über 85 Jahre sind vergangen, seit Wilhelm Thiele 1930 die im selben Jahr im Berliner Gloria-Palast uraufgeführte, als Tonfilmoperette bezeichnete Filmkomödie „Die Drei von der Tankstelle“ inszenierte. Die Musik schrieb Werner Richard Heymann. Die Autoren waren Frank Schulz und Paul Frank. Die Liedtexte steuerte Robert Gilbert bei. Das damalige Traumpaar des deutschen Films, Lilian Harvey und Willy Fritsch, spielten Lilian und Willy.

Er ist einer von drei Freunden, die pleite sind, weil ihr Bankier bankrott gegangen ist. Sie ist das hübsche Töchterchen eines reichen Konsuls. Die Zwei lernen sich an einer Tankstelle kennen, die die drei Freunde mit dem Erlös vom Verkauf des Autos eröffnet haben und dem der Gerichtsvollzieher keinen „Kuckuck“ verpasst hat.

Glückliches Ende

Seine zwei Freunde sind Kurt Anatol von Waldbach-Windberghausen und Hans Mühlheim. Jeder der Drei glaubt, Lilian Cossmann komme nur seinetwegen zum Tanken, jeder verliebt sich in sie, und Lilian scheint auch in jeden verliebt zu sein. Doch in Wirklichkeit schlägt ihr Herz nur für Willy Hellwig. Zum Happy-End bekommt Lilian ihren Willy , und die Drei von der Tankstelle bleiben Freunde, nachdem zuvor ihre Freundschaft einer Frau wegen zu zerbrechen drohte.

Dieser Film, in dem man einen frühen Höhepunkt des deutschen Filmmusicals sehen kann und in dem Oskar Karlweis den Kurt, Heinz Rühmann den Hans sowie Fritz Kampers den Konsul Cossmann spielten, wurde damals nicht zuletzt durch die zu Schlagern gewordenen Lieder wie „Ein Freund, ein guter Freund“, „Liebling, mein Herz lässt dich grüßen“, „Hallo, du süße Frau“ und „Irgendwo auf der Welt“ zum Erfolg.

Und dieser Erfolg bleibt nun auch dem von der Film- zur Bühnenkomödie avancierten Unterhaltungsstück „Die Drei von der Tankstelle“, in der Fassung von Ulrich Mayer, Key Anthony und Ursula Pietzsch, bei den diesjährigen Frankenfestspielen Röttingen treu.

Auf der Bühne hat Manuel Kolip ein praktikabel-variables Gebäude errichtet, das mit wenigen Handgriffen von der Tankstelle zur Bibliothek und dann auch zur Nachtclub-Bar wird. Die Inszenierung besorgt Ingmar Otto, trefflich unterstützt vom Choreografen Patrick Nitschke.

Die musikalische Leitung der über der Bühne platzierten Band – Matthias Forschner (Saxofon), Reiner Granzin (Piano) und Magnus Sauer (Bass, Kontrabass) – hat Dominik Treml.

Dabei hört man nicht nur die vom Film her bekannten Melodien – zuweilen auch jazzartig verfremdet –, sondern auch andere aus der damaligen Zeit, wie etwa „Dein ist mein ganzes Herz“, Sou-Chongs Liebeslied aus Franz Lehárs Operette „Das Land des Lächelns“, Friedrich Hollaenders „Eine kleine Sehnsucht braucht jeder zum Glücklichsein“ aus dem Bühnenstück „Phaea“, den zum Jazzstandard gehörenden Popsong „Sei lieb zu mir“ von Fred Ahlert und Charly Ambergs von den „Comedian Harmonists“ kreiertes Lied „Wochenend und Sonnenschein“.

Witzige Einfälle

Witzig sind die Einfälle anstelle von echten Autos etwa Josephine Bönsch als Lilian mit einer kleinen, weißen Ente am Stock vorfahren und Daniel Kozian als „sportliches Kfz“ in Gestalt eines Jaguars auftreten zu lassen, Oliver Fobe als erstem Tankkunden lediglich einen Mini-Kühler vor den Bauch zu binden oder ein Ehepaar ins Bild zu bringen, dessen Pkw nur aus sich drehenden Rädern besteht, die auf schwarzen Regenschirmen aufgemalt sind. Ansonsten ist alles immer in Bewegung. Es wird getanzt, auch einmal herumgehampelt, es wird gesungen, gesprochen und gespielt. Die Darsteller tragen immer wieder andere Kostüme, die Christina Pantermehl im Stil der dreißigen Jahre des vorigen Jahrhunderts entworfen hat. Rund zwei Stunden, einschließlich einer Pause, dauert die Aufführung. Josephine Bönsch gibt die verliebte Lilian weniger forsch und selbstbewusst, sondern eher etwas naiv und kommt so oder erst recht zum erstrebten Ziel bei ihrem Willi.

Darsteller

Den spielt Manuel Danglar als einen wenigen pfiffigen, jungen Mann, weniger als erfolgreichen Liebhaber. Daniel Kozian und Matthias Zeeb sind die mit ihm und um Lilian streitenden, aber immer in Freundschaft verbundenen Hans und Kurt. Oliver Fobe gefällt als nicht unvermögender Konsul Kosmann und als seines Amtes waltender Gerichtsvollzieher.

Die Breite ihrer schauspielerischen Möglichkeiten zeigt die auch stimmlich überzeugende Meike Anna Stock als die Lilian um die Hand ihres Vaters bittende Nachtclub-Besitzerin und Geliebte des Konsuls und in der Rolle der Frau Kasulke, deren Mann Matthias Zeeb verkörpert. Dieter Schnabel