Kultur

Ausstellung Junge Künstler treten im Frankfurter Städel auf

Fischköder, Schokohasen und Rubens

Archivartikel

Jeder hat mal klein angefangen und sich an große Vorbilder angelehnt. Aber die Studenten der Frankfurter Städelschule waren immer selbstbewusst. Das ist auch wichtig, um in der rauen Kunstwelt zu überleben. Für die diesjährigen 31 Absolventen kommt nach dem Barockmaler Peter Paul Rubens lange gar nichts – und dann direkt sie. So sieht jedenfalls die Abfolge der Ausstellungen im benachbarten Städelmuseum aus. Vor einem Monat endete die Rubens-Schau, die eindrucksvoll zeigte, wie sehr der Meister von antiken Künstlern lernte.

Aber mit dieser Ausstellung folgen, mit einem Zeitsprung von fast 400 Jahren, die frisch aus der Kunstakademie entlassenen Studenten. Die reiben sich längst nicht mehr an der Antike, sondern eher an Vorbildern der letzten 100 Jahre, natürlich auch an ihren Lehrern und vielleicht sogar an der Institution selbst. „After Rubens“ heißt die Schau augenzwinkernd, blieb doch ein großer Teil der Ausstellungsarchitektur im Erdgeschoss stehen.

Elf Klassen, verschiedene Medien

Das wiederum animierte einige junge Künstler dazu, sogar die Rubens-Motive aufzugreifen. Vor einem als Tapete gedruckten Naturmotiv zeigt der Ire John Ryaner in einem Video simple Fischköder, die sich als kunstvoll imitierte Fliegenobjekte entpuppen. So bekommt der Angler leichter eine fette Beute – aber ob das als Vorbild für junge Künstler taugt? Denn marktgängig sollen sie ja gerade nicht arbeiten, vielmehr kritisch unsere Welt abbilden.

Die Studenten der elf Klassen für Malerei, Bildhauerei, Film und freie bildende Kunst bringen zum Grübeln. „Es war eine dialogische Zusammenarbeit“, so Paula Kommoss, die neben Il-Jin Choi die Schau mit den Studenten erarbeitet hat. Die Malerei dominiert. Die Britin Babette Semmer etwa malt ein Bild in einer Stunde, inspiriert von dem Rokoko-Maler Fragonard. Semmer, ebenso virtuos wie reflektiert, besitzt ein Gespür für ungewöhnliche Farben und für erzählerischen Witz. Und der ein Meter hohe Plastik-Hase von Curtis McLean ist wohl nicht nur ein Gag, der unsere Sucht nach Süßem auf ein Symbol reduziert. Der Kunstfreund denkt da eher an den berühmten Dürer-Hasen.