Kultur

Literatur Elke Heidenreich liest in Mannheim aus neuem Buch

Flussfahrt auf dem Rhein

Archivartikel

Wie eine gute Bekannte begrüßt Elke Heidenreich die vielen Gäste bei Thalia in den Planken; sie beginnt zu plaudern und zu lesen, so leicht und froh, dass die Zeit geradezu vorüberfließt. Und ums Fließen geht ja es in ihrem neuen Buch „Alles fließt. Der Rhein“ (Corso Verlag). Doch es gibt nicht nur schöne Reisegeschichten, die von der Quelle bis zur Mündung reichen, Heidenreich sieht so manches kritisch, wie das Korsett, das dem Fluss angelegt wurde, den Anbau von Monokulturen oder die Chemie, die hineinfließt.

Trotz allem: Man freut sich, die TV-bekannte Autorin live zu erleben. Offen und leger erzählt sie von sich selbst als traurigem Kind in Duisburg oder ihrem ersten Kuss in Bonn von Hans-Heinrich. Doch melancholisch wird sie nicht. Der Rhein, der in ihrem unerschütterlichen Lesefluss bildhaft an uns vorüberrauscht, bringt sie an der Quelle als Baby, dann als stürmischen Jüngling näher – einer, der es am Rheinfall noch einmal richtig krachen lässt, bevor mit dem Herumtoben Schluss ist. Denn in Basel, wo der Strom zum Vater Rhein wird, besteigt Heidenreich die „MS Rheinmelodie“, stets vom Fotografen Tom Krausz begleitet, der das Werk mit wunderbaren Fotos bereichert.

Landausflug nach Speyer

„Komme ich auch in dem Buch vor?“, fragen Passagiere, und Heidenreichs trocken humorige Antwort lautet: „Ne, nur der Rhein.“ Per Schiff, erzählt sie beschwingt, gleiten sie an Landschaften vorbei, an Industrieanlagen, an historischen Geländen, wo Julius Cäsar seine Schlachten schlug und die Römer Städte gründeten. Speyer gehört zu den Landausflügen. Eine Stadt mit Kaisergruft und dem Grab des Altkanzlers Kohl, das hinter Gittern liege. Und Mannheim? Chemie- und Raffinerieelend. Man fährt vorbei.

Nach Worms zum „Nibelungengedöns“, dem der Romantische Mittelrhein mit Burgen, Weinbergen, lieblichen Orten und Dichtern wie den Brentanos, Goethe oder Hölderlin folgt. Über Köln hagelt es kabarettreife Sprüche, das Publikum lacht amüsiert, weiter geht’s zum Niederrhein, wo die milde Landschaft wieder da ist. Am Ende liegt die Mündung. Aus dem Rhein-Knäblein, so sagt die sympathische Erzählerin, ist ein Greis geworden, der sie (und die Hörer) dankbar zurücklässt, bevor er still verschwindet. (Bild: dpa)