Kultur

Das Porträt Die Ethnologin Carola Lentz wird an diesem Freitag neue Präsidentin des Goethe-Instituts / Kulturelles Aushängeschild Deutschlands im Ausland

Forschungsschwerpunkt Ghana als zweite Heimat

Archivartikel

Häuptling ist sie schon, nun wird Carola Lentz auch noch Präsidentin. Die 66-Jährige darf sich wegen ihrer Arbeiten im ghanaischen Nandom „maalu naa“ nennen, was dem Häuptlings-Titel Chief Development gleichkommt. An diesem Freitag übernimmt Lentz die Spitzenposition beim Goethe-Institut. Die Professorin aus Mainz wird Nachfolgerin von Klaus-Dieter Lehmann.

Das Institut dient mit weltweit 157 Instituten als kulturelles Aushängeschild Deutschlands im Ausland. Derzeit sitzt die Einrichtung in 98 Ländern. In Deutschland hat das Institut zwölf Standorte, jeweils einen in Mannheim und in Frankfurt.

„Als ich von Klaus-Dieter Lehmann vor einem Jahr angefragt wurde, bin ich aus allen Wolken gefallen, weil ich mit dem Goethe-Institut immer mal, aber eher peripher zu tun hatte“, sagt Lentz. Nun will sie zeigen, „dass ich die richtige Frau für die richtige Zeit bin“.

Als Kind liegt sie unter dem Flügel der für ihr Orgelspiel übenden Mutter, dort entwickelt sich ihre Liebe zu Bach. „Ich habe eine Leidenschaft für Kultur, durchaus auch im engeren Sinn von Theater, Film, Musik, Literatur“, sagt Lentz. „Ethnologen haben generell einen breiteren Kulturbegriff, der für die Arbeit des Goethe-Instituts auch wichtig ist.“

Lentz stammt aus Braunschweig, sie studiert Soziologie, Politikwissenschaft, Germanistik, Pädagogik in Göttingen, gefolgt vom Referendariat in Hamburg. Es folgt eine Professur in Frankfurt, schließlich 2002 der Wechsel nach Mainz, wo sie sich seit 2019 als Seniorprofessorin ganz auf die Forschung konzentriert.

Als Ethnologin ist Lentz viel unterwegs, verbringt Jahre in Lateinamerika, den USA, Australien und in Afrika. Die Keimzelle ihrer Arbeit befindet sich in Ghana. Im Norden beginnt ihre Forschung bei einer Familie des Volks der Dagaare. „Ich bin quasi adoptiert worden in diese Familie, deren Ursprünge in Nordghana liegen, wo auch viele Familienmitglieder leben.“

Stiftung für benachteiligte Kinder

Sie bekommt den Namen Tuonianuo, der für „Bitterkeit wird zur Süße“ steht. Ein Gleichnis dafür, dass harte Arbeit notwendig ist, um zu einem guten Ziel zu kommen. Die von Lentz 2018 gegründete Stiftung Tuonianuo Educational Fund unterstützt benachteiligte Kinder für ihren Schulbesuch. „Thematisch finde ich viele Projekte und Programme des Instituts dicht an dem, was ich ethnologisch interessant finde.“

Lentz will in der kulturpolitischen Szene und den Diskussionen mitwirken. „Ich glaube, diesen Erfahrungshintergrund als Ethnologin, das genaue Zuhören, das offen sein für die Agenda und die Perspektiven anderer, die Diversität und kulturellen Unterschiede und anderen Herangehensweisen, auch für die politischen Unterschiede und dies alles erst einmal als Reichtum zu begreifen – das ist etwas, was ich hoffe, gut einbringen zu können.“ dpa

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