Kultur

Kulturrätsel (Teil 2) Gesucht ist der Titel eines Werks, das den schwäbischen Urheber über Nacht berühmt machte

Frage nach dem Wohl des blassen Vaters

Auch diese Geschichte endet nicht gut. Die Frau bittet am Schluss um den Tod, er, der sie ja eigentlich liebt, zögert und sagt „fort, ich töte kein Weib“ – und sticht dann doch zu. Was soll man davon halten? Es geht hier um Enttäuschung und Ehre, darum, in jemandem etwas Anderes als die Wirklichkeit gesehen zu haben.

Ist das nun ein Film? Ein Buch? Ein Bild? Eine Ballade? Ein Stück für die Bühne? Vielleicht hilft bei der Klärung, wenn man weiß, dass das Stürmen und Drängen in dem bemerkenswerten Werk durchaus recht eindeutig auf eines der Fünf hindeutet – und dass es ganz allgemein um Konflikte des glühenden Herzens und des eisigen Verstandes geht, die hier gelungen personifiziert als Brüder auftauchen und um die Gunst des Vaters streiten.

Sex and Crime, Mord und Totschlag sowie die Sucht nach Reichtum und Gerechtigkeit – all das wird hier geboten. Der Urheber des Ganzen, ein nicht ganz unerheblicher Mann aus der Vergangenheit, wollte mit den Geschehnissen im gesuchten Werk „die Seele bei ihren geheimsten Operationen“ ertappen.

So gesehen könnte man in seiner Schöpfung mit der tödlichen Finalkatastrophe auch etwas Moralinsaures entdecken. Vielleicht drückt sich sogar mit dem sogleich beschriebenen Entschluss eines der Protagonisten die Vernunft aus, dass die eigentlich erstrebte Freiheit zwar ihre Berechtigung, wohl aber auch ihre juristischen Grenzen hat: „Ich geh’, mich selbst in die Hände der Justiz zu überliefern.“

Interessant könnte noch erscheinen, dass der Verfasser des Werkes, dessen Titel wir suchen, mit ihm, dem Werk, seinen schlagartigen Durchbruch in der nationalen Öffentlichkeit hatte. Der gebürtige Schwabe wurde damit vom Rhein-Neckar-Delta aus berühmt.

Und, ach ja: Die Sache nimmt ihren Anfang mit einem Brief und einer scheinbar vollkommen harmlosen Frage: Der Bruder des am Ende Mordenden erkundigt sich – mehr scheinheilig als ehrlich – in einem Schloss irgendwo in Franken nach dem Wohl seines Vaters: „Aber ist euch auch wohl, Vater? Ihr seht so blass.“ Großes Kino. Oder? dms

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