Kultur

Nachruf Theatermacher Fred Berndt mit 76 Jahren gestorben

Fred Berndt ist tot, Regiekarriere startete in Mannheim

Der Bühnenbildner und Regisseur Fred Berndt ist tot. Das teilte der mit Berndt befreundete Schauspieler Ernst Alisch in Bezug auf einen Telefonanruf von Berndts Frau Janet Williams Berndt am Samstag dieser Redaktion mit. Am Nationaltheater begann Berndts Karriere als Regisseur. Zuvor hatte der 1944 in Cottbus Geborene als Bühnenbildner gearbeitet. Eine Tätigkeit, die ihn zweimal nach Mannheim führte, wo er die Ausstattung von Strindbergs „Fräulein Julie“ und Brechts „Im Dickicht der Städte“ besorgte. Nun aber, 1975, erwartete ihn hier eine besondere Aufgabe.

Denn mit Brechts „Kleinbürgerhochzeit“ wollte das Nationaltheater auch Mannheimer Vororte bespielen. Ein Versuch, das Haus für neue Publikumsschichten zu öffnen und verkrustete Vorbehalte zu überwinden. Natürlich steuerte Berndt zu seinem Regie-Debüt auch das Bühnenbild bei, eine konsequent an der Handlung orientierte Szenerie, rasch auf- und abbaubar, ohne intellektuelle oder psychologische Überlagerungen. Nach dem Studium in Berlin (Hochschule für Bildende Künste) folgten Assistenz-Jahre an der Freien Volksbühne und der Schaubühne. Bei Peter Stein und Klaus Michael Grüber sammelte er erste Regie-Erfahrungen. Rasch avancierte Berndt zu einem gefragten Bühnenbildner, der unter anderem für Adolf Dresen, August Everding, Alfred Kirchner und George Tabori arbeitete.

Erkunder von Seelendramen

Doch die Mannheimer Brecht-Inszenierung begleitete und forcierte Berndts weitere künstlerische Entwicklung. Obwohl sein schon damals ausgeprägter Blick für Menschendarsteller nicht ahnen ließ, dass er sich später auf das sorgfältige Erkunden von Seelendramen spezialisieren würde. Bald inszenierte er an allen größeren Theatern der Republik, aber auch in Wien, Zürich oder Basel. Mit Doris Lessings „Jedem seine eigene Wildnis“ wurde Berndt 1987 zum Berliner Theatertreffen eingeladen und seine Regie zu Detlev Glanerts Oper „Scherz, Satire, Ironie und tiefere Bedeutung“ erhielt 2001 den Bayerischen Theaterpreis. Ein Vielseitiger also, der sogar Ausstellungsprojekte betreute und als Regisseur genau wusste, wie man sich auf Geschichten einlässt, ohne die Denk- und Bühnenräume einer bloß atmosphärischen Stimmung zu überlassen.

„Gestern haben wir einen großartigen, klugen, in der Literatur enorm bewanderten, humorvollen Regisseur, der auch ein großartiger Bühnenbildner war, für Schauspieler eine pure Lust darin sich zu entfalten, verloren“, postete die Münchner Schauspielerin Christiane Leuchtmann. Ihr größtes Lob von Berndt sei gewesen, „dass ich deine Lieblingsschauspielerin bin“, schreibt sie, und weiter: „Fred, du warst mein absoluter Lieblingsregisseur, du warst Freund, du warst Familie und ich weine und weine und kann kaum aufhören. Nein, ich halte dich nicht fest und poste kein Bild von dir, ich habe dir eine weiße Kerze ins Fenster gestellt… Du warst mir so lieb“. (mit dms)

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