Kultur

Interview Regisseur Felix Binder und Hauptdarsteller Tim Oliver Schultz stellten im „Cineworld“ ihren Film „Der Club der roten Bänder“ vor

„Freiheit kann viel Kreativität freisetzen“

Archivartikel

Die TV-Serie „Club der roten Bänder“ erzählte die Geschichte von Jugendlichen, die verschiedene Krankheiten haben und sich im Krankenhaus gegenseitig Halt schenken.

Die bei Publikum und Kritikern geschätzte Serie lief von 2015 bis 2017 erfolgreich beim Fernsehsender Vox.

Nun hatte der Kinofilm Premiere. Er beleuchtet die Vorgeschichte, also wie die Protagonisten von ihrer Krankheit erfahren und damit umgehen.

Hauptdarsteller Tim Oliver Schultz spielt Leo, den Anführer des „Clubs der roten Bänder“. Zusammen mit Regisseur Felix Binder war er im Mainfrankenpark in Dettelbach zu Gast.

Die FN trafen die beiden zum Interview.

Herr Binder, Herr Schultz, gab es die Idee zu einer Vorgeschichte und einem Kinofilm schon während der Ausstrahlung der Staffeln?

Felix Binder: Wir haben immer mal wieder gehört, dass es einen Kinofilm geben soll, aber definitiv war das nicht. Wir haben die dritte und finale Staffel abgedreht, so, als würden wir uns nie wieder sehen.

Es hat dann noch ein paar Monate gedauert, bis es klar war.

Was war dann ausschlaggebend für den Kinofilm?

Tim Oliver Schultz: Dass die richtige Geschichte gefunden wurde.

Binder: Richtig, erst als die Idee geboren wurde, dass es die Vorgeschichte der Kids sein könnte, haben wir uns dazu entschieden.

Schultz: Und Universum, der Verleih, war auch interessiert, das war natürlich super. Als es dann hieß, alle sind dabei, konnte die Arbeit beginnen.

Warum ist die Geschichte vom „Club der roten Bänder“ gerade bei Jugendlichen so gut angekommen?

Schultz: Ich glaube, das Besondere an der Erzählweise beziehungsweise am Phänomen „Club der roten Bänder“ ist, dass es eine Geschichte über Freundschaft und Zusammenhalt ist, in einem Umfeld, mit dem sich viele Menschen bisher nicht beschäftigt haben.

Es ist eine Art Lehre über Leben und Tod und Kampf von Kids. Das sind Geschichten, die niemanden kalt lassen, Gänsehaut verschaffen, wahre Superheldengeschichten.

War es überraschend, dass ein junges Publikum sich auf ein so schweres Thema einlässt?

Binder: Für mich war das ehrlich gesagt total überraschend. Nachdem ich das erste Mal davon gehört hatte, mich damit beschäftigte und wir die erste Staffel abgedreht hatten, konnte man nicht abschätzen, ob das zu speziell oder zu traurig ist. So was in der Art gab es davor noch nicht.

Schultz: Ich habe gerade jemanden getroffen, der elf Jahre alt ist und im Alter von sieben und acht ein Jahr im Krankenhaus war und Chemo bekommen, Qualen durchgemacht und wirklich gegen den Tod gekämpft hat.

Ich habe ihn gefragt, ob er mit dem „Club der roten Bänder“ zu tun hatte und er meinte, ja, er hat es vorher gesehen und auch danach. Er wollte es sehen. Offensichtlich hat es ihn motiviert.

Diese Art von Serien werden schnell als „verkitscht“ bezeichnet. Warum war das bei „Club der roten Bänder“ nicht so. Was wurde richtig gemacht?

Binder: Das lag daran, dass wir große Freiheiten hatten. Es gab niemanden, der sich eingemischt und gesagt hat: Ach, da müsst ihr noch mehr auf die Tränendrüse drücken oder: Das müsst ihr so oder so machen. Die Auftraggeber haben unserem Geschmack vertraut.

Und wir haben damit offenbar den Geschmack von anderen getroffen.

Schultz: Dass man uns gelassen hat, das war wirklich in allen Gewerken so. Vom Produzenten über die Regisseure bis hin zu den Schauspielern. Ich glaube, das war etwas, das ganz von oben vom Auftraggeber kam, vom Sender Vox.

Freiheit kann viel Kreativität freisetzen.

Wie würden Sie Leo, den Charakter Ihrer Rolle, beschreiben? Und was ist Ihnen gemeinsam und was unterscheidet Sie von einander?

Schultz: Puuh, schwere Frage. Das ist fast unmöglich zu fassen. Ich würde sagen, die Gemeinsamkeiten zwischen Leo und mir haben mir geholfen, die Rolle zu finden. Ich bin sehr ehrgeizig.

Außerdem, ich weiß nicht, ob es durch die Beschäftigung mit Leo kam, versuche ich das Bestmögliche aus dem Tag zu ziehen. Bin ein Kämpfertyp. Und Unterschiede (überlegt)

Binder: Ich kann einen Unterschied nennen. Ich kenne ja beide (lacht). Du bist nicht so aufbrausend wie Leo. Leo tickt gerne mal kurz aus, du nicht so. Es ist eine Temperamentfrage, würde ich sagen.

Schultz: Stimmt. Ich denke dann, och, ja, ist schon okay und gehe damit um.

Binder: Ich habe dich noch nie irgendwelche Dinge durch die Gegend schmeißen sehen, außer als Leo.

Sie haben mal in einem Interview gesagt, Sie würden unter Ängsten leiden – der Angst, nicht gut genug zu sein. Stimmt das?

Schultz: Ich würde es aber eher Nervosität nennen, allen Ansprüchen gerecht zu werden. ella