Kultur

Freiheitsopfer

Archivartikel

Wo, zum Teufel, ist hier wohl die Verbindung zu Schiller? Natürlich: Man kann alles irgendwie überall und jederzeit sehen. Im Anarchismus dieser Band. In ihrem Drang zur Bedeutung. Im indirekten Aufruf, alles aufklärerisch zu hinterfragen. Und es stimmt ja auch: Kirchner Hochtief spielen ein großartiges Konzert in der NTM-Arena. Geräuschhaft wie Sonic Youth. Nonkonform wie Punk. Poetisch wie Rio Reisers Ton Steine Scherben. Bisweilen, ja, psychedelisch wie Pink Floyd. Abwechslungsreicher Radikalrock trifft gute Texte. Das ist an sich spektakulär.

Aber wo ist Schiller? Beim Schnüffeln, Graben und Buddeln offenbart es sich: Der Mann, der Zeilen singt wie „Ich schlaf mit deinem Körper aus Glas“ oder in diktatorischer Jonathan-Meese-Manier „Eigentlich ist alles gut (Kunst)“ gibt auch Sätze von sich wie: „Nur Geld kann mich frei machen“ oder „Für die Freiheit ist kein Opfer zu groß“ (aus Chaplins „Der große Diktator“).

Und da steht er dann plötzlich da, Mannheims erster (und größter) Hausautor. Mitten im Raum: Schillers „Auch die Freiheit muss ihren Herrn haben“ aus den parallel im Opernhaus spielenden „Räubern“ (siehe Text nebenan) wird sinnhaft: Die Freiheit folgt dem Geld, das Opfer für sie wird damit quasi zur Unmoral. O, lieber Schiller, die schönsten Träume von Freiheit werden nicht im Kerker geträumt, sondern auf Rockbühnen.