Kultur

Klassik Händel-Orchester Mannheim in Matthäuskirche

Frisch und impulsiv

Archivartikel

Laienorchester pflegen üblicherweise das musikalische Repertoire aus Barock und Frühklassik – aus nachvollziehbaren spieltechnischen Gründen. Das Händel-Orchester Mannheim, das jetzt in der Matthäuskirche in Neckarau sein Jahreskonzert gab, tut das auch, aber eben nicht nur: Auf dem Programm standen neben Antonio Vivaldi, Karl Stamitz und Unico von Wassenaer nämlich auch Charles Ives und Giacomo Puccini, und beides ist allein schon wegen der völlig ungewohnten Musiksprache eine ganz andere Herausforderung. Zum Beispiel Puccinis „Crisantemi“, ein hochemotionales Streichorchester-Werk auf den Tod eines Freundes: Da geht es um eine komplexe Chromatik, von der Vivaldis Musik noch nichts wusste und die das Händel-Orchester schon an seine Grenzen brachte, aber eben nicht darüber hinaus. Das Orchester hat sich dieser Herausforderung gestellt, und es hat sie bestanden. Ganz ähnlich liegt die Sache bei Charles Ives’ Orchesterstück „The Unanswered Question“, bei dem das aus Streichern bestehende Händel-Orchester von Mitgliedern des Nationaltheater-Orchesters unterstützt wurde. Die Streicher bilden einen Klangteppich, über dem die Bläser ein reizvolles Frage-und-Antwort-Spiel veranstalten.

Souveräne Leistung

Der Solist beim zweiten Satz von Karl Stamitz’ Bratschenkonzert B-Dur, Manfred Becker, stammt aus dem Orchester; er bewältigte seine Aufgabe klangschön und mit beträchtlicher Virtuosität und reihte sich in die durchweg souveränen Solisten-Leistungen ein. Bei Vivaldis Konzert für Oboe und Fagott musizieren Orchester und Solisten über weite Strecken gar nicht zusammen, sondern nur alternativ. Bei den Orchesterwerken des Niederländers Unico von Wassenaer und Karl Stamitz’ zeigte das Orchester überzeugend, wie viel Frische, Impulsivität und Virtuosität in ihm steckt. 

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