Kultur

„Tanz! Heilbronn“ Der Kartenvorverkauf für das beliebte Festival hat begonnen / Termin vom 22. bis 26. Mai

Fünf Tage voller Tanz-Power

Archivartikel

„Flow“, der Auftakt des elften Festivals „Tanz! Heilbronn“ ist vom Schwarmverhalten, wie wir es von Fischen, Vögeln und Insekten kennen, inspiriert. Zur Live-Musik des französisch-koreanischen Duos Keda zeigt das siebenköpfige Ensemble der Schweizer Compagnie linga eine ästhetisch hypnotische Choreographie. „Flow“ ist beim Festival „Tanz! Heilbronn“ erstmals in Deutschland zu sehen.

Tänzerisches Psychogramm

Das Festival, das sich ausschließlich dem zeitgenössischen Tanz widmet, wird vom 22. vom 26. Mai in allen drei Spielstätten des Heilbronner Theaters, sowie auf dem Gelände der Bundesgartenschau (Buga) ausgetragen. Zweite Deutsche Erstaufführung neben „Flow“ ist „Kanyar“ des Tänzer-Choreografen Didier Boutiana. Er kommt von der Insel La Réunion. Dort steht der kreolische Begriff „Kanyar“ für Außenseiter, Sonderlinge, Einzelgänger.

Das Solo zeigt die Suche eines solchen Einzelgängers, ein tänzerisches Psychogramm voller Brüche und existenzieller Entscheidungen.

Höhepunkt ist die Company Wayne McGregor. Der Brite, der mit „Entity“ schon 2010 Gast in Heilbronn war, gilt europaweit als „Superbrain“ („Super-Gehirn“) der Tanzszene, weil er naturwissenschaftliche Erkenntnisse mit Tanz und Bewegung verbindet. „Was macht ein Menschenleben aus? Erinnerungen, Erfahrungen oder die DNA?“, fragt der international vielbeschäftigte Choreograf.

Für „AutoBioGraphy“ ließ er seine DNA entschlüsseln und daraus einen Algorithmus errechnen. Die Süddeutsche Zeitung kommt darüber ins Schwärmen: „Ein mit schierer Schönheit und sinnlichen Zauber überwältigendes Tanzmosaik, wie es so derzeit offenbar nur bei den Briten gedeiht. . . . Sein Kern besteht aus zehn virtuosen Darstellern, die wie Sternenstaub dahintreiben und zugleich kristalline Bewegtbilder komponieren.“ Auf Spurensuche vergessener Komponistinnen begeben sich in „Herstory I“ die Tänzerchoreografin Eva Baumann und die Violinistin Biliana Voutchkova. Anspielend auf His-Story wagt die Performance „Herstory I“ eine spannende Zeitreise durch elf Jahrhunderte weiblicher Narrative – ein Perspektivenwechsel, der neugierig macht. Energieausbruch auf kleinstem Raum verspricht das Duett „Restraint“ (Beschränkung, Zurückhaltung) von Lina Gómez mit der Tänzerin Julek Kreutzer und dem Trommler Michelangelo Contini.

Diesmal lautet das Motto des Programms „un/angepasst“. Es geht um das Verhältnis von Individuum und Gruppe. Wie verhält sich der Einzelne in der Gemeinschaft? Wie nimmt das Kollektiv einen Einzelnen auf oder stößt ihn aus? Wie viel Unangepasstheit ist möglich, wie viel Konformität nötig, um zu werden, was man ist? Die Körper-Installationen, mit denen der österreichische Choreograf Willi Dorner die Anpassung von Körpern an Architektur hinterfragt, bilden den thematischen Ausgangspunkt. Nach drei Jahren Vorarbeit ist „fitting“ (englisch: to fit deutsch: anpassen, einbauen) nun der Abschluss von Dorners Auseinandersetzung mit dem neuen Quartier am Neckarbogen.

Neun Performer schaffen mit Brettern, Häuserwänden und ihren Körpern einen Parcours über das Buga-Gelände, der eigens dafür entwickelt wurde und viermal zu sehen ist.

Fünf Tage voller Tanzpower auf drei Bühnen und in der Stadt, werden ergänzt durch Workshops und Künstler-Gesprächen nach den Vorstellungen.

Der Vorverkauf hat begonnen.