Kultur

Lesen.Hören II Hommage an James Baldwin

Für gleiche Rechte

Archivartikel

„Das Leben ist schön und es ist schrecklich. Und ihr müsst beides wissen, dass es schrecklich ist und dass es schön ist.“ So endet die Rede, die James Baldwin in den 1960er Jahren an einer Highschool gehalten hat. Diese Rede eröffnete als O-Ton den Abend „Hommage an einen Großen“ in der Alten Feuerwache, worin Baldwin von dem Moment spricht, wie es für ihn war, als er zur Schule ging und begriff, dass er als Schwarzer in der amerikanischen Geschichte nicht vorkommt.

Was James Baldwin in seinen Romanen, Kurzgeschichten und Essays zu sagen hatte, gilt bis heute. Darum lohnt es sich, ihn wiederzuentdecken, wie Programmleiterin Insa Wilke in ihrer Einführung hervorhob, besonders „vor dem Hintergrund der Proteste gegen rassistische Morde in den letzten Jahren, der rassistischen Gewalt, der Kontinuität dieser Gewalt“. Schon Raoul Pecks Film „I Am Not Your Negro“, der vor der Veranstaltung im Atlantis-Kino zu sehen war, zeigt geradezu prophetisch die Aktualität von Baldwins Worten auf.

Gut besetzte Lesung

Die Podiumsdiskussion mit der „FAZ“-Journalistin, Autorin und Moderatorin Verena Lueken, die im bemerkenswerten Vorwort zu James Baldwins Roman „Von dieser Welt“ den Bogen zur Gegenwart schlägt, inspirierte. Die Übersetzerin Mirjam Nuenning studierte eine Weile in den USA. Der Dichter, Theatermann und Literaturwissenschaftler Max Czollek sorgte mit seinem Buch „Desintegriert euch“ für Aufsehen. Und schließlich Mehmet Atesci, Schauspieler am Gorki-Theater in Berlin. Sie alle machten deutlich, was so besonders war an James Baldwin: Kein anderer US-amerikanischer Autor jener Jahre hat so intensiv, so scharfsinnig, gleichzeitig so sensibel ein realistisches Bild der Gesellschaft seines Landes geliefert.

Beim Schreiben ging es ihm jedoch nicht um Protestliteratur, nicht soziale Anliegen, sondern darum, „aus der Unordnung, die das Leben ist, jene Ordnung zu schaffen, die Kunst heißt“. Zugleich veranschaulichte das Gespräch eine verblüffende kulturelle Tiefenschärfe in der Wahrnehmung eines Autors, der afroamerikanische Identität mit europäischer Bildung verbindet.