Kultur

Pop Beatrice Egli singt im Mannheimer Rosengarten

Funkelnde Folklore

Sich auf dieser Welt wohlzufühlen, ist ein Privileg geworden. Wer einem dieses Gefühl in unruhigen Zeiten für überschaubares Handgeld garantieren will, dem sollte man mit Misstrauen begegnen – wenn dieser jemand nicht Beatrice Egli heißt. Die Wurzeln des Enthusiasmus dieser Frau liegen tief. Denn die 30-Jährige aus dem Pfäffikon hat in den vergangenen fünf Jahren eine Emanzipationsgeschichte hingelegt, wie sie gerade im Schlager beispiellos wirkt.

Konzert aufgezeichnet

Mit spielerischem Charme hat sie sich nicht nur des ewigen Hemmschuhs der Castingshow-Gewinnerin entledigt: Sie hat die Schweiz auch mit ihrem modernen Volksliedgut zu elektrisieren verstanden. Dass diese Qualitäten grenzübergreifend geschätzt werden, belegt ein gut gefüllter Mozartsaal im Mannheimer Rosengarten, aber mehr noch die Tatsache, dass sich die Künstlerin dieses Konzert für die Live-DVD-Aufzeichnung auserwählt hat. Entsprechend konsequent hat sich die Schlager-Lady sowohl mit einer sechsköpfigen Band als auch vier Alter Egos ausstaffiert.

Dass Letztere wechselweise in französischer Strenge (Bernadette), schwarzer Metal-Coolness (Beth), funkigem Social-Media-Sprech (Becky) sowie Gutmenschentum (Babsi) daherkommen, passt da vortrefflich ins Bild. Denn so kann Egli beweisen, dass moderner Schlager zwischen türkisem LED-Kleid („Im besten Club dieser Stadt“) und sexy Leder-Body („I Love Rock’n’Roll“) auch heute noch einen Zweck hat –die Folklore zum Funkeln zu bringen. Ein Gedanke, der seine willigen Mitstreiter findet und von einer stimmlich und mental bestens aufgelegten Beatrice Egli ebenso clever wie zielsicher befeuert wird.

Vom routinierten Strahlegrinsen beim Gang durch das Publikum über die ein oder andere kesse Pointe („Ich hab’ gern ordentlich Holz vor der Hütte“) bis hin zur Liebesschaukel, die sie zwei auserwählten Singles bereitstellt, bespielt die 30-Jährige die Klaviatur der Effekte über zweieinhalb Stunden meisterlich – und lässt sich verdient dafür feiern. mer

Info: Fotostrecke im Internet: morgenweb.de/kultur

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