Kultur

Klassik Psalmgesänge von Heinrich Schütz in Mannheim

Gebete zwischen Loben und Flehen

Archivartikel

Auch der Glaubende ist nicht immer hochgestimmt. So mag er sich im warmen Schein der Sonne über Gottes Gegenwart freuen – und in der brennenden Hitze über seine Abwesenheit jammern. Das Herz des Menschen ist wetterwendisch; keine leichte Aufgabe für einen Schöpfer, den seine Geschöpfe wie kleine Kinder mit quengelnden Bitten nerven, wie sie in den Psalmen dokumentiert sind.

Heinrich Schütz hat dem Loben und Flehen in den alttestamentlichen Dichtungen nicht nur einen authentischen Ausdruck verliehen. Vielmehr erscheint in seinen Vertonungen das unschlüssige Trachten des Menschen mit Würde ausgestattet. Die Aufforderung „Singet dem Herrn ein neues Lied“, mit der das Ensemble Mannheim Vocal in der Christuskirche kraftvoll einsetzt, verfehlt ihre appellative Wirkung nicht. Jeweils doppelt besetzt, entfalten die Stimmen auf der Ostempore chorische Eindringlichkeit.

Markante Artikulation

Von besonderer Leuchtkraft vor allem die Soprane, die den filigranen Ensembleklang gelegentlich dominieren. Ina Siedlaczek und Serene Hart (Sopran), Sirin Kilic und Matthias Lucht (Alt und Altus), Sebastian Hübner und Ingo Wackenhut (Tenor) sowie Matthias Horn und Jens Hamann (Bass) gestalten ihre Partien mit markanter Artikulation, die sich eng am Text orientiert. In wechselnden Formationen, im Solo- und im Ensemblegesang werden die abrupten Tempowechsel und die dynamischen Prozesse fließend umgesetzt. Zur absteigenden Chromatik im Vers „Wann unsre Augen schlafen ein“ sehen wir den Kopf des Beters müde auf die Brust sinken.

Johannes Michel leitet eine Aufführung, die mit Martina Rothbauer (Gambe), Robert Sagasser (Violone), Mechthild Alpers (Dulcian), Toshinori Osaki (Laute) und Alexander von Heissen (Continuo) vom Concerto Mannheim auf ein historisch informiertes Instrumentalensemble setzen kann, das die Direktheit der vorbarocken Gesänge zugleich betont und in diskreter Zurückhaltung abmildert. 

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