Kultur

Literatur regional Ladenburger Autorin Carolin Callies hat einen neuen Lyrikband geschrieben / Sie stellt ihn morgen Abend in der Pflastermühle vor

Gedichte ohne geheime Botschaften

Archivartikel

Gedichte schreiben sei wie Meditieren mit Wörtern, sagt die gebürtige Mannheimerin und Wahl-Ladenburgerin Carolin Callies. „Gedichte reizen die Sprache an ihren Rändern aus und ermöglichen einen neuen Blick auf die Welt und die Zusammenhänge“, so die Lyrikerin, die 2015 mit dem Thaddäus-Troll-Preis des Landes Baden-Württemberg ausgezeichnet wurde und jetzt ihren neuen Gedichtband „schatuellen & bredouillen“ geschrieben hat.

Es geht, wie schon in ihrem ersten Band „fünf sinne & nur ein besteckkasten“, viel um den Körper, der als Raum sprachlich durchschritten und vermessen wird, und es werden frivol und frei Bäuche ineinander gelegt, am Morgen wird Beischlaf gehalten, die Manege für den Nackedei geöffnet. Was ihre Leserinnen und Leser aus ihren Gedichten machen, will Callies nicht vorgeben. Sie habe keine „geheimen Botschaften“, die sie in ihren Texten verstecke und die dann entschlüsselt werden müssten. „In dem Moment, wo das Gedicht das Papier verlässt, kann jeder damit etwas anderes machen.“

Anleihen beim Märchen

Doch es gibt auch Geschichten hinter den Gedichten. So entstand etwa „schöne ware feil“ auf der Schwäbischen Alb. Dorthin war Callies von Trafo, einem Programm der Kulturstiftung des Bundes, eingeladen worden. „Bei dem Projekt geht es darum, strukturschwache Regionen kulturell zu fördern. Und da saß ich dann auf der Schwäbischen Alb und dachte mir: ‚Was schreibt man hier’?“ Also hat sie sich erst einmal die örtliche Textilwirtschaft, die auf der Alb einst ihr Zentrum hatte, angeschaut und ist im Maschenmuseum in Albstadt auf ein Bild gestoßen. Das zeigte eine alte Frau, die in einer schweren Kraxe, einer Rückentrage, Waren transportierte, um sie zu verkaufen.

„Das war ein eindrucksvolles Bild, das einen Einblick in den Handel von früher lieferte, und ich habe mir überlegt, wie das wohl für die Frau war, die damals allein durch die Wälder lief und ihre Ware feilbot.“ In Callies Gedicht liest sich das so: „hab kartoffeln in den äckern meiner westentasche, schau. hab den flachs auf meinem kopf, hab den berg auf meiner schulter, hab die erde in meinem strumpf“. Den historischen Hintergrund vermischt sie mit der Unheimlichkeit des Märchens vom Schneewittchen, wo die böse Schwiegermutter sich als Händlerin verkleidet, um die Königstochter mit Schnüren, Kämmen und schließlich einem vergifteten Apfel zu töten.

Weil manche ihrer Gedichte stark rhythmisch daherkommen, ist Callies damit ins Tonstudio gegangen – und mit acht Vertonungen wieder herausgekommen; das Album nennt sich „neues blumenbuch“, ein Vorgeschmack ist auf ihrer Internetseite www.carolin-callies.de zu hören.