Kultur

Ausstellung Objektkunst von Uscha Rudek-Werlé im Mannheimer Institut für Deutsche Sprache

Gefangen im weltweiten Netz

Archivartikel

Passend zur Jahrestagung des Instituts für Deutsche Sprache (IDS) kommende Woche im Mannheimer Rosengarten findet in den Räumen des Instituts in R 5 eine Ausstellung statt, die sich auf das diesjährige Thema bezieht. Bei der Konferenz von Germanisten aus aller Welt geht es darum, wie sich durch sozialen Netzwerke die deutsche Sprache verändert hat und weiter verändern wird. Auf die ihr eigene Art widmet sich die Künstlerin Uscha Rudek-Werlé, wie der Überblick über die ausgestellten Werke zeigt, ebenfalls dem Thema „Vernetzung“.

„Der Mensch im Netz“ lautet der Titel dieser Werkschau, und tatsächlich sieht man in den meisten ihrer Arbeiten Netze. Viele bunte Netze sogar, wie in einem Wandobjekt, das verführerisch leuchtet und den Titel „Soziales Netzwerk“ trägt. Beim näheren Hinsehen bemerkt der Betrachter, dass dieses bunt schillernde Gespinst aus unzähligen kleinen Netzen besteht, wie man sie zum Beispiel in den Obst- und Gemüseabteilungen der Supermärkte findet. Die Künstlerin hat viele dieser Elemente gleichsam zu einem Gobelin der Industriegesellschaft zusammengefügt. Sie führt uns hier die Ästhetik der Globalisierung vor Augen, deren schillernde Farbakzente von der Massenproduktion gesetzt werden. Verpackungsmaterialien, die zum Kauf anregen und nach kurzem Gebrauch als Plastikmüll in den Weltmeeren zu einem riesigen Problem geworden sind.

Gerade bei den neueren Arbeiten scheint ein solch kritischer Akzent mitzuschwingen. Formal fügen sie sich nahtlos an die früheren Arbeiten an, als Rudek-Werlé noch mit Wollfäden und Drahtgeflechten arbeitete und diese Stoffe miteinander kombinierte.

Dabei sind filigrane Gebilde entstanden, die zwischen Wandobjekt, Skulptur und Bild zu verorten sind. Kennzeichnend ist bereits bei den früheren Arbeiten, dass die Eigenheiten der Materialien nicht verändert sind, sondern bewusst kombiniert, so dass der Eindruck entsteht, dass sie trotz ihrer Verschiedenheit irgendwie zusammengehören.

Fundstücke als Material

Unter Eigenheiten sind hier sowohl die Materialien, also die unterschiedlichen Metalle, im Gegensatz zu Wolle oder Plastiknetzen, zu verstehen als auch die unterschiedlichen Farben, die hier zu einem ästhetischen Gesamtensemble verbunden wurden.

Bei allem Material, das hier verwendet wurde, handelt es sich um Fundstücke, die bestenfalls, wie in der Arbeit „Hauptsache Mensch“, noch mit kleinen Terrakottafiguren kombiniert wurden. Die letztgenannte Arbeit ist wohl eine derjenigen mit dem stärksten inhaltlichen Bezug zum eingangs erwähnten Jahresthema: Hier wird gezeigt, wie der Mensch immer mehr im Netz verschwindet und kein Eigenleben mehr führt.