Kultur

Mozartfest Salzburger Bachchor begeistert sein Publikum mit dem Werk „Spem in alium“ restlos

Gefangen in dem wunderbaren Klang

Archivartikel

Der Applaus will kaum enden. Die Begeisterung des Publikums beim Wandelkonzert des Mozartfests in der Würzburger Residenz ist grenzenlos. Mit dem achtchörigen Werk „Spem in alium“ von Thomas Tallis setzt der Salzburger Bachchor unter der Leitung von Alois Glaßner ein deutliches Ausrufezeichen hinter ein mitreißendes Konzert, das im Barockgarten beginnt und im Treppenhaus der Residenz seinen krönenden Abschluss findet.

Als Meister der Polyphonie erweist sich der Engländer Tallis (1505 – 1585), der den Text des alttestamentlichen Buches Judit vertonte. Er entwirft damit eine Komposition als Inszenierung der Stimmen im Raum. Aufgeteilt in acht Chören mit je fünf Sängern erklingt die Bestätigung der Hoffnung auf den Gott Israels im Treppenhaus der Residenz - unter Tiepolos berühmten Fresko.

Besondere Erlebnis

Schon allein das ist für die Zuhörer ein besonderes Erlebnis. Wenn dann die 40 Stimmen einsetzen und sich zu einer Klanggewalt vereinen, ist der ganze Raum ausgefüllt: Gefangen im Werk, in seinem Klang, seinen Verästelungen, die bis letzten Winkel eintauchen. Architektur und Musik gehen eine grandiose Symbiose ein, die sich gegenseitig bedingt und herausfordert.

Schon zuvor sorgt der Chor mit einem seltenen Stück auf der Konzertbühne für Furore: Gregorio Allegris „Miserere“. Der junge Mozart hatte das Stück 1770 in der Sixtinischen Kapelle in Rom in der Karwoche gehört, wo die Notation ein gut gehütetes Geheimnis war. Selbst die Aufführung an anderen Tagen wurde mit einem Bann belegt. Der 14-jährige Mozart hatte sich daran nicht gestört und die Komposition aus dem Gedächtnis aufgeschrieben. Somit ist das Stück der Nachwelt erhalten. Was der Salzburger Chor im Kaisersaal der Residenz aufführt, ist nicht Mozarts Niederschrift. Denn durch einen Übertragungsfehler wurden einige Zeilen nach 1951 zu hoch notiert. Die Zuhörer kommen somit in den Genuss des neunstimmigen Werks in zwei Chören, bei dem im Sopran ein dreigestrichenes C den Raum erfüllt.

Während ein Chor auf der Bühne des Kaisersaals steht, sorgen in zwei Nebenräumen ein Männerchor sowie ein vierstimmiger Chor für eine ornamentierte Variante. Mit einer bemerkenswerten Leichtigkeit und einer gefühlvollen Modulation werden dabei die gesanglichen Herausforderungen von allen Stimmen gemeistert – gerade auch von der Sopranistin, die mit ihrer warmen Stimme und ganz ohne Schärfe das C gleich mehrfach in Richtung Himmel schickt. Drei Teile – drei Schauplätze.

Und drei Themenbereiche. Gehört der letzte Abschnitt Gott, so geht es vorher sehr menschlich zu. Glaßner präsentiert mit dem Chor im Kaisersaal Sätze der Brüder Joseph und Michael Haydn sowie von Wolfgang Amadeus Mozart. In Joseph Haydns Lieder über Liebe, Leben und Trinken mischen sich einige „Notturni“ von Mozart, rasch komponierte Lieder, die gerne zu Mozarts Zeiten bei einem Abend mit Freunden und Instrumentalbegleitung erklangen.

Im Saal sorgen das Trio Gabor Lieli, Walter Krenn (Klarinette), Christoph Hipper (Fagott) sowie Alexander Voronov (Klavier) für die Begleitung, während das Vokalensemble zu Beginn des Konzerts im Barockgarten mit Blick auf die Residenz a capella die Besucher verzaubert. Und schon mit den ersten Tönen von Claudio Monteverdis „Ecco mormorar“ und den sechs Liedern von Felix Mendelsohn Bartholdy über die Natur wird die Strahlkraft und die Brillanz des Klangkörpers erlebbar, die sich den ganzen Abend zeigt.

Da stimmen sogar die Amseln und bei „O Täler weit, o Höhen“ leise summend ein paar Zuhörer mit ein. Der Salzburger Bachchor hat das Publikum im Sturm erobert.