Kultur

Kunst Bildhauer Matthis und Michael Bacht im Kerg-Museum

Gegen das Gewohnte

Archivartikel

Im Eingangsbereich des Museums Théo Kerg zeigt sich schon deutlich der Titel der Ausstellung „Von Hell zu Dunkel“: An der Wand hängen und stehen zwei Eisengerüste, in denen je ein weißes Gebilde aus Papier schwebt. Ein Titel lautet poetisch „Gefallene Wolke“, im Eisengestell droht sie – ganz weiß – abzustürzen. Nie gesehen, sehr ungewöhnlich diese Werke von Matthis Bacht! Und an der anstoßenden Wand dann auf schwarzem Grund graue, ausgerissene Vierecke gepinnt, die als „Hommage an Malewitsch“ sich aufs berühmte „Schwarze Quadrat“ von Kasimir Malewitsch beziehen, zuerst ausgestellt 1915.

Kleine Retrospektive

Dieses gleichzeitig ironische wie konzeptuelle Werk stammt vom Vater Michael Bacht: 1947 geboren in Remscheid und seit 1980 als freischaffender Bildhauer tätig. Sein Sohn Matthis wurde 1982 in Heidelberg geboren und studierte von 2003 bis 2010 Bildhauerei an der Kunstakademie Düsseldorf. Seit 2013 betreut er zudem das Haus am Wehrsteg in Heidelberg, das gleichzeitig Atelier und Ausstellungsort ist.

Noch zu Lebzeiten von Lynn Schöne – sie starb überraschend im Januar dieses Jahres – wurde diese sehenswerte Kombination von Vater und Sohn ausgewählt. Für Michael Bacht ist es quasi eine kleine Retrospektive, finden sich doch aus fast allen Schaffensperioden einzelne Werke. Großartige „Wellenbilder“ von 1979/1980 zeigen die gestalterische Kraft des Künstlers, der Wellpappe als Ausgangsmaterial nutzte, um konstruktive, abstrakte Formen zu verbinden. Aber mit zarter Bleistiftzeichnung! Seine Ironie findet sich immer mal wieder, überraschend etwa sein Bilderrahmen, der eine Bambusecke offenbart und eigentlich Satire ist. Ins Dunkel reicht hingegen sein Projekt „Tiefgarage“, das zugleich spielerisch wie technisch wirkt.

Ohne Hierarchie

Sein Sohn Matthis hingegen ist deutlich konzeptuell geprägt, was offensichtlich wird an einer Gruppe ebenfalls an Bilderrahmen erinnernder Gebilde. Als wollte der Künstler nachspüren, was man aus 70 x 40 cm langen Streben aus weißbemaltem Eisen in der Rechteckform alles machen kann, pendelnd zwischen Bildhauerei, Architektur und Design. Oder auch: Wie können die Dinge alles gleichzeitig sein: Rahmen, Motiv, Raum, ohne Hierarchie, auch nicht zwischen Bild und Objekt. Das verbindet die beiden Künstler im hohen Maße, das Nachspüren nach dem Fremden, Neuen, Ungewohnten.

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