Kultur

Jazz Peter Gall Quintett stellt sein Album „Paradox Dreambox“ im Mannheimer Musikclub Ella & Louis vor / Rainer Böhm besticht am Klavier

Geglückte Gratwanderung zwischen Alt und Neu

Archivartikel

Wirklich Neues zu schaffen, in der Musik, die voll von neuen Ideen ist, ist schon nicht einfach. Zu oft klingt es zu nah an bereits Bekanntem, um als neu durchzugehen, nicht selten aber sind Tonschöpfungen dann wieder derart extrem, dass sie jenseits der Hörtoleranz noch keine Akzeptanz erfahren. Im Mannheimer Jazzclub Ella & Louis präsentiert das Quintett um Schlagwerker Peter Gall nun seine erste Produktion „Paradox Dreambox“ und überrascht mit einer Musik, die auf dem schmalen Grat zwischen Tradition und Innovation trittsicher balanciert.

Die Besetzung, mit dem Mannheimer Pianisten und Jazz-Professor Rainer Böhm, dessen dichte Improvisationen mit einem absolut spannendem Aufbau glänzen, und seinem Amsterdamer Kollegen Reinier Baas an der Gitarre, kann sich hören lassen. Während Baas’ virtuose Single-Note-Soli absolut begeistern, tritt sein Begleitspiel jedoch etwas zu stark in den Hintergrund.

Faszinierende Melodielinien

Ganz anders bei Altsaxofonist Wanja Slavin. Obwohl er unverstärkt in seinen Improvisationen mit virtuosen und faszinierenden Melodielinien glänzt, wirken seine meist kurz angeblasenen Einwürfe in der Begleitung manchmal unausgewogen dominant.

Mit großer Zurückhaltung – ein bisschen zu brav – begleitet hingegen Bassist Felix Henkelhausen. Bei ihm hätte man sich durchaus mehr Resolutheit vorstellen können. Schlagzeuger Peter Gall, aus dessen Feder die Musik auf „Paradox Dreambox“ stammt, kann auf ausgreifende Soli weitgehend verzichten.

Immerhin ist sein stets angemessenes Spiel so angelegt, dass er sich, bis auf präzise, gemeinsame Akzente, viel Freiheit nehmen kann, und so selbst die Improvisationspassagen seiner Kollegen zum eigenen rhythmischen Ausdruck nutzt.

Eigene stilistische Note

Mit „Paradox Dreambox“ stellt sich Gall nicht nur als versierter Schlagzeuger vor. Er setzt darüber hinaus auch eine musikalische Duftmarke, deren feine Mischung aus persönlicher Stilistik mit in reicher Hörerfahrung verwurzelten Kompositionen wirklich begeistern.