Kultur

Schauspiel Elfriede Jelinek arbeitet Ibiza-Video in Wien auf

Gelungene Abrechnung

Archivartikel

Viele Wortspiele, ein üppiges Bühnenbild, inhaltlich eine Abrechnung mit dem Rechtspopulismus und Kanzler Sebastian Kurz: Elfriede Jelinek hat mit „Schwarzwasser“ die Ibiza-Affäre auf die Bühne gebracht – die Uraufführung wurde vom Wiener Publikum am Donnerstagabend mit Jubel und Applaus bedacht.

„Man kann das ja nicht übertreffen, nicht einmal parodieren oder lächerlich machen“, schrieb Jelinek. Letztlich gelingt ihr das aber doch. Die Literatur-Nobelpreisträgerin arbeitet sich an den Gegensätzen der Rechtspopulisten ab, die sich im Machtrausch verlieren, das halbe Land verscherbeln wollen und gleichzeitig als jammernde Opfer ihre Unschuld beteuern.

Peters und Wuttke überzeugen

Aufhänger ist das Ibiza-Video, das im Mai für ein politisches Beben in Österreich gesorgt hatte. Auf den Aufnahmen wirkt Ex-FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache anfällig für Korruption. Als das Video veröffentlicht wurde, zerbrach die ÖVP-FPÖ-Regierung und Straches Karriere erhielt einen Dämpfer. Er inszeniert sich seitdem als Opfer einer Intrige.

Jelineks von Monologen geprägtes Stück überzeugt durch die von ihr bekannten Sprachkonstrukte, ist aber letztlich auch ein wilder Rundumschlag gegen die Ausbreitung rechter Positionen sowie die Inszenierung und Vergötterung von Politikern. Vor allem Martin Wuttke und Caroline Peters wussten im Akademietheater zu überzeugen. dpa

Zum Thema