Kultur

Presseschau Der Neubau der Kunsthalle kommt überwiegend gut an / Vereinzelt kritische Töne zur Anordnung der Kunstwerke

Gelungene Architektur und einige Schönheitsfehler

Die Wochenzeitung „Die Zeit“ ist begeistert: Einen „wunderbaren Neubau“ habe die Kunsthalle in Mannheim bekommen. Die Fotoausstellung mit Werken des kanadischen Künstlers Jeff Wall, die bis 9. September zu sehen sein wird, sei eine „wunderbare Gelegenheit“, das Gebäude und die Kunst darin zu erkunden. Ähnlich positiv äußert sich die „Süddeutsche Zeitung“ (SZ). Sie lobt den „unaufgeregten“ und „sachlichen Auftritt“ des Museums im Stadtbild und befindet: „In den Ausstellungstrakten macht die strenge Raumaufteilung Sinn, ja sie erzwingt klare Entscheidungen.“

Besonders gut kam dabei das Konzept der einzelnen Würfel innerhalb des Gebäudes an, in denen eine Vielzahl der Kunstwerke als voneinander klar getrennte und in sich geschlossene Einheiten funktionieren können. Das mache „ganz neue Formen des Umgangs mit Werken der bildenden Künste möglich“ und biete dem Besucher so „eine Menge zum Staunen“(SZ).

Konzeptionelle Revolution

Auch in anderen Zeitungen fand die Raumaufteilung innerhalb des Gebäudes überwiegend positiven Widerhall. „Die Rheinpfalz“ schreibt, die keramische Sammlung sei „spannend inszeniert“ und die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ (FAZ) ergänzt, die Wege verliefen so gerade, so hell und übersichtlich, dass sich ein Lageplan fast erübrige.

Die Architektur und mit ihr das Ausstellungskonzept glichen einer kleinen Revolution, merkt die „Stuttgarter Zeitung“ (StZ) an. Sie lobt unter anderem das Foyer, das den Besucher zwar zunächst überwältige, aber doch nicht monumental daherkomme. Für das Ausstellungskonzept hat die Zeitung dann allerdings kaum ein gutes Wort übrig. Das Kalkül, manche Kunstwerke des 19. und frühen 20. Jahrhunderts im puristisch gestalteten Innenraum weitestgehend für sich allein hängen zu lassen, sei nicht aufgegangen. Die Ausstellungsräume seien „extrem sachlich, funktional“ und ließen „keine Atmosphäre“ aufkommen. Das wirke sich auch auf die Werke aus: „Verloren hängen die schönen Monets, Sisleys, Pissarros in ihren Goldrahmen“ (StZ). Und manch einem Kunstkritiker erschien das Zusammenspiel von zeitgenössischer und klassischer Kunst nicht sonderlich gelungen. Ein Beispiel sei die tribünenartige Holzkonstruktion „Arena“ von Rita McBride neben Édouard Manets „Erschießung Kaiser Maximillians“: „Mit dem raumfüllenden Konstrukt die Sicht auf eines der kostbarsten Werke des Hauses zu versperren, grenzt an Frevel.“

Das Gesamtbild in der Presselandschaft ist überwiegend positiv, auch, was die strategische Ausrichtung der neuen Mannheimer Kunsthalle angeht. Das Konzept der Teilhabe und die Etablierung des Museums als „demokratischer Glutkern der Stadt“ – all das bedeute einen Epochenbeginn, einen Aufstieg in die „Erste Liga“. Das schreibt „Die Rheinpfalz“ und fasst die Arbeit von Museumsdirektorin Ulrike Lorenz wie folgt zusammen: „Sie wagt viel. Wenn sie gewinnt, profitieren wir alle. Dann mal los!“

Info: Dossier zum Thema unter www.morgenweb.de/kunsthalle