Kultur

Jazz Trio De Lucs im Mannheimer Club Ella & Louis

Gelungener Abschied

Das letzte Wort hat das Publikum. Genauer gesagt sind es die letzten Töne, zum Mitsummen beim Schlussstück von den Musikern vorgegeben. Das klappt vorzüglich; auch noch, als das Trio De Lucs einer nach dem anderen von der Bühne gehen. Und irgendwie finden die Zuhörer nach einigen A-Cappella-Wiederholungen des ihnen anvertrauten 16-Ton-Motivs von sich aus zu einem gemeinsamen Ende.

An diesem Abend ist es mehr als der stimmungsvolle Abschluss eines gelungenen Auftritts. Nur noch ein Konzert weit weg im Brandenburgischen, dann, so wird in den Ansagen angekündigt, löst die Gruppe sich auf. Warum, ist hinterher auf Befragen zu erfahren: Zwei der Musiker, die ihr Trio während des Jazzstudiums an der Mannheimer Musikhochschule gebildet haben, zieht es zum Weiterstudieren in die Ferne.

Ohne Zweifel bedeutet das einen bedauernswerten Verlust für die hiesige Szene. Denn in Jahren des Bestehens hat sich die Formation, dokumentiert auch auf einer CD-Veröffentlichung, ein erkennbar eigenes aktuelles Konzept des althergebrachten Piano-Trio-Formats erarbeitet. Statt eines ungestüm swingenden Oscar Peterson steht da eher die moderne E-Musik Pate, werden in gedankenvoller Versenkung weit gespannte Spannungsbögen ausgebreitet, die aber nicht ausufern. Dafür sorgen immer wieder Passagen von jäher motorischer Gewalt, und die fein dosierte Verwendung von Zusatz-Klängen: elektronische Verfremdung einzelner Töne, zugespielte Rilke-Zitate, Vokal-Perkussion nah am Mikrofon durch Pianist Lukas Derungs, oder auch sein anrührendes Summen einer Melodie im Duett mit Bassist Lukas Hatzis.

Wie aus einem Guss

Alles zusammen wirkt ausgereift, aus einem Guss. Einschließlich des sowohl hart rockigen wie äußerst subtilen Schlagzeugs von Jonas Esser; obwohl er, kein Gründungsmitglied, erst vor kurzem in das Trio eingestiegen ist. Gut, dass wenigstens von ihm, der noch in Mannheim studiert, keine akuten Abwanderungspläne bekannt geworden sind. swm