Kultur

Jazz Claus Boesser-Ferrari und Jacques Stotzem im Ella & Louis

Gemeinsam auf den Gitarrengipfel

Archivartikel

Wohl nicht ohne Hintersinn haben sich die beiden Akustik-Gitarristen für den Beatles-Titel „Come Together“ (also: Kommt zusammen) als Startpunkt entschieden, um nach ihren Solo-Auftritten gemeinsam auf der Bühne des Mannheimer Jazzclubs Ella & Louis zu musizieren. Mit dem Laudenbacher Claus Boesser-Ferrari und dem Belgier Jacques Stotzem begegnen sich zwei renommierte Meister ihres Fachs –- und was dabei entsteht, ist fulminant: So berstend kraftvoll und übermütig verspielt wie fein ziseliert und über viele fingerfertige Ebenen dicht miteinander verflochten erschaffen die zwei Saiten-Virtuosen den Rockklassiker auf facetten- und zwischenton-reiche Weise neu.

Das gut besuchte Konzert markiert den Beginn der Reihe „Claus Boesser-Ferrari Invites...“, in welcher der Freistil- und Ausnahme-Gitarrist Kollegen zu gemeinsamen Auftritten und musikalischen Zwiegesprächen einlädt. Boesser-Ferrari ist es auch, der diese Premiere mit einem rund 50-minütigen Set eröffnet. Und ob er sich nun den Beatles, Pink Floyd, Charles Mingus oder eigenen Kompositionen widmet: Mit seinem faszinierend formenreichen und experimentellen Spiel öffnet er weite, luzide Horizonte, kreiert lyrische, eruptive und hochdynamische Momente, nutzt hierfür auch Hall-Effekte, Bottleneck – und die Gitarre immer wieder als perkussiven Resonanzkörper.

Blitzschnelle Läufe

Gleichermaßen besticht der Fingerstyle-Spezialist Jacques Stotzem nicht nur mit herausragender Technik (und viel Humor!), sondern auch als Komponist – etwa mit Werken wie dem rockigen, von blitzschnellen Läufen durchzogenen Stück „21“, der tiefen Ballade „It’s Gone Forever“ oder der lebensvoll wirbelnden „Musette Pour Edith“. Die Reihe solle „in unregelmäßig regelmäßigen Abständen“ fortgeführt werden, kündigt Jazzclub-Kurator Thomas Siffling an. Nach solch starkem Start bleibt zu hoffen, dass die Pausen nur kurz sein werden. mav