Kultur

Konzert „Metallica“ verwandeln die restlos ausverkaufte Stuttgarter Hanns-Martin-Schleyer-Halle am Samstag in ein Tollhaus

Gemeinsame Glückseligkeit im Hochofen des Metal

Archivartikel

Wer hätte das gedacht: Die Großmeister des Metal, „Metallica“, die normalerweise nur auf den großen Festivals zu Gast sind, machen noch einmal eine Hallentour. Klar, dass die Karten im Nullkommanix weg waren. Zusatzshows werden eiligst gebucht. Auch in Stuttgart, zwei Konzerte – beide restlos ausverkauft. Und so verwandelt sich die Hanns-Martin-Schleyer-Halle an zwei Abenden in einen brodelnden Hochofen, in dem das Quartett ein ungeheuer heißes Eisen schmiedet und die Stimmung zum Siedepunkt treibt. Dank der Rundbühne in der Mitte der Halle sind die Fans wirklich hautnah dabei. Und die Musiker genießen das, gehen auf Tuchfühlung mit ihren Fans. Zusammen mit der exquisiten Show ergibt das eine „night to remember“: schlichtweg überwältigend und eines der besten Konzerte der letzten Jahre.

Vielleicht hat es des Fiaskos „Lulu“ bedurft, dass „Metallica“ musikalisch wieder in die Puschen gekommen sind. „Hardwired . . . to Self-Destruct“ ist jedenfalls das beste Album seit langem. Die Band ist mächtig stolz auf dieses Werk. Und das merkt man in Stuttgart. Haben James Hetfield, Lars Ulrich, Kirk Hemmett und Robert Trujillo bei ihren großen Festivalauftritten ihr musikalisches Schaffen nach dem schwarzen Album geflissentlich ausgespart, so gehören in Stuttgart gleich mehrere Songs des jüngsten Albums zur Setlist.

Klar, „Metallica“ waren live immer eine Bank, haben immer geliefert. Aber so ambitioniert hat man sie lange nicht gesehen. Motiviert bis in den Fingerkuppen und mit einer gehörigen Portion Spielfreude gehen sie ihren Parforceritt an. Der Funke springt auch sofort auf die Fans über. Zweieinhalb Stunden geht es im Höllentempo gemeinsam durch die gesamte Schaffensphase der Band. Und nicht nur das.

In der Mitte des Sets mutieren die Metal-Könige sozusagen zur „Black Men Group“. Alle Bandmitglieder bearbeiten aus dem Bühnenboden ragende Quader mit Trommelstöcken, zünden so sein rhythmisches Feuerwerk. Das originellste Zwischenspiel liefern aber Kirk Hemmett und Robert Trujillo ab. Ersterer mit zarten Gitarrenklängen und zweiter als Sänger geben sie Drafi Deutschers „Marmor, Stein und Eisen bricht“ auf Deutsch zum Besten und 15 000 Leute singen im Chor.

Natürlich geht auch am Samstag bei den Klassikern, die gut übers Set verstreut sind, die Luzi am meisten ab. Als drittes Stück befeuert „Seek & Destroy“ die Stimmung. In der Mitte des Sets lässt „For whom the Bell Tolls“ die Halle erbeben, ehe es zum Ende des regulären Sets bei „Sad but true“, „One“ und „Muster of Puppets“ kein Halten mehr gibt.

Bei der Zugabe treten „Metallica“ bei „Fight Fire with Fire“ das Gaspedal voll durch, ehe sie sich beim schlichtweg grandiosen „Nothing else Matters“ die einzige kleine Verschnaufpause gönnen.

Zum Abschluss wünscht dann noch der „Sandman“ ein gute Nacht. Doch an Schlaf oder Bett denkt da keiner. Noch minutenlang schütteln die vier Schwermetaller Hände oder werfen Plektrons, Drumsticks oder andere Memorabila in die Menge, die wiederum die Band frenetisch bejubelt und lautstark eine weitere Zugabe fordert. Dieser Wunsch bleibt unerfüllt. Aber das macht nichts. In den rund zweieinhalb Stunden zuvor gibt es alles, was das Metallica-Herz begehrt. Und die mittlerweile auch schon etwas in die Jahre gekommenen Musiker liefern während der Show ein beachtliches Laufpensum. Schließlich müssen sie das Publikum an vier Seiten bespaßen. Auch das gelingt. So muss das sein: Band und Publikum am Ende in gemeinsamer Glückseligkeit.