Kultur

Schauspiel Schüler in „Theben: Mannheimer Geschichten“

Gemeinsames zwischen Nil und Neckar

„Was sind wir für ein verfluchtes Geschlecht, uns selbst zu bekämpfen“, stöhnt Eteokles. Dabei hätte er den Krieg noch abwenden können. Denn der Ödipus-Sohn hat die Auseinandersetzung mit seinem Bruder Polyneikes selbst heraufbeschworen. Er missachtete die Verabredung, die Regentschaft für Theben turnusgemäß nach einem Jahr an diesen abzugeben. Eindringlich gesprochen sind die Worte aus „Sieben gegen Theben“ von einem Schüler der Johannes-Kepler-Gemeinschaftsschule. Und der Zuschauer spürt instinktiv, dass hier nicht nur das Geschlecht der Thebaner gemeint ist.

Die Aufführung antiker Stücke an deutschen Schulen, wie der letzte Teil der Ödipus-Trilogie des griechischen Dramatikers Aischylos in Verbindung mit „Antigone“, der Tragödie von Sophokles, ist sicher nichts Ungewöhnliches. Doch als Teil des Theaterprojekts „Theben: Mannheimer Geschichten“ der Bürgerbühne des Mannheimer Nationaltheaters (NTM), das jetzt in Kooperation mit der Kepler-Schule uraufgeführt wurde, nicht alltäglich.

Mannheim und Theben haben auf den ersten Blick nicht viel gemeinsam, außer, dass die antike griechische Stadt und die Kurpfalzmetropole in Europa liegen. Peter Michalzik, der bereits am NTM für den Doppelabend „Ein Blick von der Brücke/Mannheim Arrival“ die Fluchtgeschichten Mannheimer Neubürger verschriftlichte, hat es mit der Produktion geschafft, ein Netz zwischen den Orten und Zeiten zu spinnen. In das konnten sich die Sechst- bis Achtklässler, die in den verschiedensten Ländern ihre Wurzeln haben, mit ihren eigenen Geschichten und ihrer Lebenswelt einweben. Diese werden dem Publikum im Wechsel mit Auszügen aus den Werken des Aischylos und Sophokles in jeweils zehnminütigen Inszenierungen an verschiedenen Stationen im Schulhaus in K5,1 präsentiert.

Lieblingsorte in der Region

Mannheim ist ihre Polis. Da haben die Jugendlichen ihre Lieblingsplätze, auch wenn es etwas seltsam anmutet, wenn etwa das Zentralinstitut für Seelische Gesundheit als ein solcher genannt wird. In der Stadt zwischen Neckar und Rhein erleben die Heranwachsenden Freud und Leid, die erste Liebe, Siege und Niederlagen. Die werden auch mit Rap-Songs ausgedrückt. „Kämpfer gibt es viele, mehr als du denkst, die Wege des Kriegers sind schwer zu erkennen“, heißt es in einem.

Seit Beginn des Schuljahres haben sich die 31 Akteure vorbereitet, die Texte zusammen mit dem künstlerischen Team der Bürgerbühne erarbeitet, gelernt und geprobt. Für viele war es die erste Auseinandersetzung mit klassischen Stücken. „Hut ab“, kann man vor ihrer Leistung sagen, die sicher, so Silke zum Eschenhoff und Maya Maurer (Dramaturgie und Gesamtprojektkoordination) nicht allein nach formalen Qualitätskriterien für Aufführungen im Theater zu bewerten ist. Als gelungener Beitrag zur Bildung einer eigenen Persönlichkeit aber allemal.