Kultur

Kongress Jahrestagung des Leibniz-Instituts für Deutsche Sprache in Mannheim beendet / Direktor Lobin sieht Impulse für Forschung

Germanistik hat es im Ausland schwerer

Archivartikel

Zwar ist das Mannheimer Leibniz-Institut für Deutsche Sprache (IDS) eine nationale Einrichtung; auf die Sprache und ihre Entwicklung blickt es aber durchaus auch mit internationaler Perspektive. Die Jahrestagung der Forschungsinstitution, die am Donnerstag im Rosengarten zu Ende ging, betonte dies noch besonders. Als Fazit des Kongresses zum Thema „Deutsch in Europa“ stellte IDS-Direktor Henning Lobin im Gespräch mit dieser Redaktion fest, es sei deutlich geworden, wie wichtig übergreifende Forschungsperspektiven seien. Der Sprachvergleich, so Lobin, trage erheblich zum Verständnis des Deutschen selbst bei.

Über dessen Stellung in Europa wussten ausländische Germanisten auf einer Podiumsdiskussion allerdings nicht nur Gutes zu berichten. Insgesamt nimmt die Zahl der Germanistikstudenten ab; das werde aber, so jedenfalls in Frankreich, teilweise durch neue Bachelorstudiengänge kompensiert, die ein Studium der deutschen Sprache und Literatur etwa mit rechtswissenschaftlichen Inhalten kombinieren. In Polen, wo immer noch 40 Prozent der Schüler Deutsch (als zweite Fremdsprache) lernen, schwindet die Bedeutung der traditionellen Germanistik ebenfalls, dafür ist besonders die Nachfrage nach „Wirtschaftsdeutsch“ hoch.

Mundartlich geprägt

Auch die Situation deutschsprachiger Minderheiten in Europa fand auf der Jahrestagung Berücksichtigung. Die IDS-Wissenschaftler Rahel Beyer und Albrecht Plewnia berichteten von ihren Forschungen, die sich besonders auf Einstellungen zur Sprache beziehen. In Ostlothringen spricht knapp die Hälfte der 500 000 Einwohner eine deutsche Mundart, die sie aber nicht mit dem Hochdeutschen assoziieren, ähnlich ist es im Elsass. In Ostbelgien, im italienischen Südtirol und auch im dänischen Nordschleswig ist die Situation hingegen völlig anders; Zweisprachigkeit ist hier ein Prinzip der Politik und wird offiziell gefördert. Politische Grenzen entsprechen nicht denen der Sprache; deutschsprachige Minderheiten gibt es in praktisch allen Nachbarländern Deutschlands, Österreichs und der Schweiz; ihre Sprache ist oft stark mundartlich geprägt.

Angesichts der Corona-Pandemie waren dieses Jahr deutlich weniger ausländische Gäste zur Jahrestagung angereist. Die Teilnehmerzahl lag mit gut 200 nur knapp über der Hälfte des Durchschnittswerts der Vorjahre. Dabei wäre es gerade angesichts dieses Kongressthemas wünschenswert gewesen, möglichst viele Perspektiven einzubeziehen, wie Lobin sagte. Er zeigte sich aber auch erleichtert, dass der Kongress überhaupt stattfinden konnte. Zwei Vorträge mussten abgesagt werden. Im kommenden Jahr wird die Jahrestagung von 9. bis 11. März stattfinden; sie soll sich um „Sprache in Politik und Gesellschaft“ drehen.

Info: Informationen zum Institut unter www.ids-mannheim.de 

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