Kultur

Internationales Filmfestival II "Redhead" aus dem Iran und der polnische Beitrag "Man proposes, God disposes" bereichern den Wettbewerb

Geschichten wie im Western, aber von heute

Mannheim /Heidelberg.Mit ihrem das uramerikanische Filmgenre zitierenden "Western" hat Valeska Grisebach kürzlich den Hauptpreis des Ludwigshafener Festivals des deutschen Films gewonnen. Im Wettbewerb des internationalen Schwesterfestivals in Mannheim und Heidelberg zeigt nun ein Werk aus dem Iran ebenfalls, wie klassische Westernmotive in eine neuere Filmsprache und die Gegenwart zu übertragen sind.

Ein "Westerner", eine typische Figur des Genres, ist auch Farhad, Hauptperson in Karim Lakzadehs als Weltpremiere gezeigtem "Redhead": ein Einzelgänger, schweigsam und in sich gekehrt; später greift er zum Gewehr und hat gar ein Pferd an seiner Seite. Wie es dazu kommt, erzählt der Film zunächst in der typischen Filmsprache des Irans, nüchtern, auf das Innenleben der Figuren konzentriert und mit fast dokumentarischem Blick auf Lebensformen.

Farhad hat seine Familie verlassen und ist in die Stadt gegangen. Da hört er, dass sein Bruder niedergestochen wurde, weil entferntere Verwandten ein Grundstück der Familie für sich beanspruchen. Widerwillig nimmt er sich der Sache an. Was wie ein Rachethriller erzählt werden könnte, entfaltet bald Mystery-Charakter: Geister tauchen auf, Gespenster der Vergangenheit, denen sich Farhad stellen muss.

Und Karol, die Hauptfigur im polnischen Film "Man Proposes, God Disposes" (Der Mensch denkt, Gott lenkt) von Daniel Leo? Er ist nicht so einsam, zieht aber wie so viele im US-Genre nach Westen; und anfangs schlägt er sich auch mit harten Methoden durch, als Kleinkrimineller in Danzig. Als er hört, dass eine kurzfristige Freundin schwanger von ihm ist, geht der Taugenichts, der einem erst allmählich sympathisch wird, ins brasilianische Sao Paulo, wo die werdende Mutter lebt. Dort tut er zunächst nicht viel, um sich als verantwortungsbewusst zu erweisen, allmählich aber kommen sich beide (wieder) näher.

Bestimmen wir über uns oder waltet über allem das Schicksal? Zwischen beiden Polen bewegt sich die Handlung. Stadtansichten von weit oben bringen eine metaphysische Dimension ins Spiel, die ja auch den iranischen Beitrag so eigenwillig macht. Sehenswert sind beide - auch wenn sie nicht so dicht gewoben sind wie etwa Grisebachs Film.