Kultur

Hafensommer Mediterraner Sommerabend passte perfekt zum Konzert von Startrompeter Till Brönner im Alten Hafen in Würzburg

Geschmeidig und mit viel Feingefühl

Sich zurücklehnen. Die Augen schließen. Und die Musik genießen. Startrompeter Till Brönner nimmt das Publikum beim Würzburger Hafensommer mit auf eine musikalische Reise in die Welt des Jazz.

Die Freitreppe am Heizkraftwerk ist proppenvoll. An diesem lauen Sommerabend lässt es sich mit einem kühlen Getränk hervorragend aushalten. Wer nicht unbedingt das Geschehen auf der Bühne verfolgen will, macht es sich in den Sonnenliegen und auf den Lounge-Möbeln bequem. Die werden gerne in Anspruch genommen.

Schon seit Tagen ausverkauft ist das Konzert des 47-jährigen Virtuosen an der Trompete. Doch zunächst erscheint seine Band, allesamt geniale Musiker an ihren Instrumenten, die dem Meister den Weg bereiten.

Erst dann kommt Brönner swingend und mit zwei Trompeten in den Händen die Treppe hinunter und auf die schwimmende Bühne. Im Gepäck seines Programms „The Good Life“ hat der Jazzer jede Menge geschmeidige Lieder, die perfekt zu diesem sommerlich-warmen Ambiente passen.

Klarer Klang

Zum Einstieg dürfen die Älteren im Publikum in Erinnerungen schwelgen. Filmmusik aus den 1970ern, „Drei Tage des Condors“ mit Robert Redford und Faye Dunaway, hat sich Brönner ausgesucht –fein nuanciert und von einen glasklaren Klang. Und schon bei den ersten Stücken, etwa auch der anschließenden Hommage an den amerikanischen Jazz-Gitarristen Wes Montgomery, stellt der Musiker sein außergewöhnliches Talent unter Beweis – zart, feinfühlig und wunderbar akzentuiert.

Der Echo-Preisträger ist kein Berserker auf der Bühne, er mag eher die ruhigeren, bekömmlichen Spielarten. Er spiele am liebsten Songs, „die etwas über mich aussagen“, gesteht Brönner dem Publikum. Und liefert sofort den Beweis. So manche Ballade findet sich daher im Repertoire des Abends, wie „Once upon a Summertime“ – einfach passend.

Perfektes Zusammenspiel

Faszinierend das kongeniale Zusammenspiel mit Kontrabassist Christian von Kaphengst bei „A thousand Kisses deep“. Auf Brönners aktueller CD „Nightfall“ hat Dieter Ilg diesen Part, bei dem sich Trompete und Bass die musikalischen Bälle zuspielen. Überhaupt gibt Brönner den Musikern auf der Bühne viel Raum für Soli und eigene Akzente.

Dass Till Brönner, der als einziger deutscher Künstler beim International Jazz Day 2016 bei einem All-Star-Konzert im Weißen Haus vor US-Präsident Barack Obama aufgetreten ist, nicht nur ein begnadeter Trompeter ist, sondern auch singen kann, beweist er bei „Her smile“. Doch auch hier legt er das Instrument nicht gänzlich aus der Hand, setzt eigene Akzente.

Und was verbindet Rio mit Würzburg? Nicht nur der gleichnamige Song von Brönner, sondern auch das Flair auf dem Festivalgelände am Alten Hafen. Die Würzburger sind aber nicht ganz so locker wie die Brasilianer, der Samba-Rhythmus geht nicht so ganz ins Blut. Die Stimmung ist trotzdem blendend. Und mit mehreren Zugaben verabschiedet sich der Jazz-Trompeter von seinem Publikum, das schon während des Konzerts nicht mit Beifall gegeizt hatte. Diana Seufert