Kultur

Film „Birds of passage“ bei Cine Latino im Cinema Quadrat

Gesetz der Rache in Kolumbien

„Der Stamm ist die Familie“, murmelt die junge Zaida beschwörend. Nach einem „Jahr der Abgeschiedenheit“ soll sie in den Familienclan aufgenommen werden. Dieser stehe beim Volk der Wayuu über allem, gibt ihr die Mutter (Carmiña Martínez), die das strenge Oberhaupt der Familie bildet, mit auf den Weg. Ansehen, Ehre, nicht zuletzt der Friede seien in ihr beschlossen. In der Einöde der nordkolumbianischen Provinz Guajiara markiert dieser tradierte Zusammenhalt alles. Eng verknüpft ist dieses Bewusstsein mit einem magischen Denken, das Träume als Ausdruck der Seele versteht.

Nach einem wilden Initiationstanz mit leuchtend rotem Umhang, bei dem der mutige Rapayet (José Acosta), um die schöne Braut wirbt, träumt Zaida von einem „Weg ohne Rückkehr“. In fünf Kapiteln einer schicksalhaften Tragödie erzählen Ciro Guerra und Cristina Gallego ihren zwischen mythischem Western und Mafia-Thriller changierenden Film „Birds of passage – Das grüne Gold der Wayuu“. Von realen Ereignissen inspiriert, verknüpfen die kolumbianischen Filmemacher darin die Vorgeschichte der Drogenkartelle mit dem blutigen Konflikt zweier verfeindeter Clans.

Aufs Wesentliche reduziert

Im Zeitraum zwischen 1968 und 1980 erodiert mit Wucht und Brutalität das Familiengefüge mit seinen Normen und Bräuchen. Mit epischer Geste, aufs Wesentliche reduziert sowie in prägnanten Bildern verfolgen Guerra und Gallego diesen Kampf bis zum bitteren Ende. Ihr spannender Film zeigt unmissverständlich, wie das Virus des Geldes, verbunden mit der Gier nach Macht und Wohlstand, in die Ordnung der Familie eindringt, sie unterhöhlt und auslöscht. Um das Brautgeld für Zaida aufzutreiben, steigt Rapayet mit seinem großspurigen Freund Moisés ins Drogengeschäft ein. Für junge US-Amerikaner organisieren sie eine erste Lieferung Marihuana. Der (auch symbolische) Weg führt dabei aus der trockenen Steppe ins sattgrüne, feuchte Gebirge bis zur Palmen-Kulisse vor offenem Meer. Der als Einziger besonnene Rapayet sagt später: „Wie es scheint, haben wir die Seele verloren. Niemand beschützt uns mehr.“