Kultur

Comedy Bastian Bielendorfer im Capitol Mannheim

Geständnisse eines Kindes

„Lustig, aber wahr!“ heißt das aktuelle Programm Bastian Bielendorfers, und zwar deshalb, „weil ich zwei Stunden lang euch Geschichten aus meinem Leben erzähle, die wirklich wahr sind“, adressiert er an seine 500 Zuschauer im Mannheimer Capitol. „Es ist nichts erfunden, manchmal ist es ein bisschen übertrieben, aber grundsätzlich ist alles so passiert“, bekräftigt er. Man ahnt bereits, dass hier ein Moment schonungsloser Wahrheit naht, dass das Wurzelwerk eines aufgewühlten Lebens blank gelegt wird. Und tatsächlich: „Ich hatte es nicht leicht“, bekennt Bielendorfer, „denn ich bin ein Lehrerkind.“ Kein „normales“ zumal, sondern eines der „Stufe drei“: Die Mutter sei Lehrerin an seiner Grundschule gewesen, der Vater Lehrer an seinem Gymnasium und sein Onkel Direktor – das letzte Wort spricht er mit Grabes-tiefer Stimme.

Der Vater als Joker

Recht amüsant und heiter sind sie gleichwohl, die Geschichten, Anekdoten und Reisetagebuch-Notizen, die der Humorist vorträgt, allenthalben auch von seinem Tablet-Computer vorliest. Vom Urlaub im Dreibettzimmer eines Seniorenhotels mit Oma und Ehefrau ist da etwa jovial die Rede, von genüsslich-garstigen Streichen, die der Vater ihm spielt und von der gemeinsamen Rettung eines Lamm-Lebens zur Zivildienstzeit. Die Pointen gehen oft genug auf eigene Kosten, was sympathisch ist. In der lustigeren zweiten Hälfte berichtet Bielendorfer auch von der „Wer wird Millionär“-TV-Sendung, in der er vor neun Jahren als Kandidat war. Als er demnach bei der 8000-Euro-Frage seinen Vater als Joker anrief, ging der erst gar nicht ans Telefon und legte, als der Kontakt doch zustande kam, nach knapper (richtiger) Antwort sofort wieder auf.

Immerhin: Bielendorfer gewann nicht nur 32 000 Euro, er konnte im Jahr darauf mit dem Buch-Erstling „Lehrerkind: Lebenslänglich Pausenhof“ einen Besteller landen. mav

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