Kultur

Literatur Schillerpreisträger Theweleit schreibt neues Buch

Gewichtiger Essay

Archivartikel

Als Querdenker und wissenschaftlichen Brückenbauer hat die Jury den Kulturwissenschaftler Klaus Theweleit gewürdigt, als sie ihm vor vier Jahren den Mannheimer Schillerpreis zusprach. Ein origineller und unkonventioneller Denker ist er ohnedies, aufgeschlossen für Theorien, nicht zuletzt die psychoanalytische. Und seit er mit den monumentalen „Männerphantasien“ in den 1970er Jahren bekannt wurde, ist ein Leitmotiv seines recht assoziativ aus verschiedenen Wissenschaften und der Populärkultur schöpfenden Denkens und Schreibens deutlich – die vorwiegend männliche Aggression und die soziale Ungleichheit von Frauen und Männern.

Auch dem Fußball hat er unter dem Titel „Tor zur Welt“ eine Veröffentlichung gewidmet, im Vergleich dazu ist das neue Buch des in Freiburg lebenden, 1942 geborenen Wissenschaftlers und Essayisten schon buchstäblich viel schwergewichtiger. „Warum Cortés wirklich siegte“ heißt es und widmet sich erneut der Eroberung des amerikanischen Kontinents. Näherhin beleuchtet es die „Technologiegeschichte der eurasisch-amerikanischen Kolonialismen“, wie der Untertitel besagt.

Originelle Anregungen

Theweleit besinnt sich auf die Gründe der Eroberungen, die von Europa ihren Ausgang nahmen, und warum diese zum Erfolg führten. Er geht quasi von zwei Menschenarten aus, der eurasischen, expansiven, und einer zweiten, die sich zu beugen hatte. Als überlegen hat sich dabei eine nicht zuletzt zu effektiveren Waffen führende Mathematisierung und Technisierung der Welt erwiesen – Frieden hat sie freilich keinen gebracht. Teils illustriert, erörtert Theweleits Buch den Zusammenhang und die Folgen in schier zahllosen Aspekten. Der Autor fordert sein Publikum, gibt aber immer wieder auch originelle und überraschende gedankliche Anregungen – ganz so, wie man es von ihm kennt.

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