Kultur

Glaube in Musik gefasst

Christiane Brasse-Nothdurft über den Reformator

Mein Luther ist mutig und modern, in einer Weise, wie wir uns das heute gar nicht mehr richtig vorstellen können. Stellte er sich doch einfach mit seiner Laute auf die Straße und sang seinem Publikum vor, wie ihn seine Sünden quälten und wie er schließlich nach langem Ringen durch Gottes Barmherzigkeit daraus befreit wurde. Nachzulesen ist dies im Lied "Nun freut euch, lieben Christen g´mein", einer Ballade, bei der man sich Luther als Sänger vorstellen muss, der mit lebhafter Gestik und Mimik diese rettende Erfahrung seinem Straßenpublikum plastisch macht. Luther als Liedermacher.

Die Reformation hat den Gesang aus den Klöstern in die Welt gebracht. Mit 34 Liedern ist Luther der am stärksten vertretene Dichter im Evangelischen Gesangbuch mit Liedern wie "Verleih uns Frieden gnädiglich, Herr Gott, zu unsern Zeiten" - aktuell wie eh und je.

Martin Luther erkannte früh, dass er zur Verbreitung der reformatorischen Gedanken Mitstreiter brauchte. So schrieb er Briefe an befreundete Theologen, etwa so: "Ich habe den Plan, (...) deutsche Psalmen für das Volk zu schaffen, das heißt, geistliche Lieder, damit das Wort Gottes auch durch den Gesang unter den Menschen bleibt. Wir suchen daher überall nach Dichtern. (...) Ich bitte dich, mit uns an diesem Vorhaben zu arbeiten und zu versuchen, einen Psalm in ein Lied zu übertragen." Dieser Brief an Georg Spalatin gilt als die Wiege evangelischer Choräle.

Wir erkennen Martin Luther als einen Pädagogen (er will dem Volk die Psalmen verständlich machen) und als Manager (er sucht sich zum Erreichen seiner Ziele ein professionelles Team aus Theologen). Er wusste: Glaubensinhalte in Musik gefasst, dringen tiefer ins Herz. "Singen", sagt er, "ist die eigentliche Sprache des Glaubens".

Christiane Brasse-Nothdurft ist Kirchenmusikdirektorin der Evangelischen Gemeinde in der Neckarstadt.