Kultur

Göttliches Licht der Farben

Archivartikel

Im Italienischen klingt sein Name nach Farbe und Poesie, im Deutschen aber nach harter Handwerksarbeit. Jacopo Tintoretto hieß eigentlich Robusti mit Nachnamen, doch unter Tintoretto können sich in Italien alle etwas vorstellen, nämlich „das Färberlein“, denn sein Vater färbte kostbare Seidenstoffe ein. Der Junge wuchs folglich mit den leuchtenden Farbtönen auf, in die sich damals die hohen Herren seiner Heimatstadt Venedig hüllten. Auch später malte Tintoretto seine Figuren gern in erlesenen Stoffen – und so, dass jeder Faltenwurf stimmte.

Ob er tatsächlich am 29. September 1518, also morgen vor 500 Jahren zur Welt kam oder doch erst ein Jahr später, ist bis heute unklar. Natürlich widmet ihm Venedig bereits jetzt eine große Doppelausstellung, andere Museen folgen noch.

Im letzten Herbst wurde sein Frühwerk in Köln vorgestellt, mit dem Fokus auf seinen bewegten Bildern. Denn Tintoretto lebte im Zeitalter der Reformation und Gegenreformation und bildete diese Unruhe wie kein Zweiter ab.

Als er am 31. Mai 1594 starb, hatte er die Seerepublik Venedig nie lange verlassen. Venedig galt ihm als große Bühne, um den Alltag, die Feste und das Theater mit prachtvollen Kostümen und Schmuck zu zeigen. Oft malte er aber auch Kranke oder Sklaven, sein 1548 vollendetes „Sklavenwunder“ gilt als sein wichtigstes Frühwerk.

Und er malte 1555/56 das biblische Motiv der „Susanna im Bade“, die von zwei lüsternen Alten bedrängt und später des Ehebruchs bezichtigt wird. Obwohl sich bald ihre Unschuld herausstellte, erscheint sie bei Tintoretto zwar als fromme Frau, die aber sehr wohl um die Kraft ihrer Sinnlichkeit weiß.

Jacopo Tintoretto war kein Malerfürst, sondern ein Aufsteiger aus kleinen Verhältnissen, der viele Bildtraditionen über den Haufen warf. Als er 1548 den Heiligen Markus, den Stadtpatron von Venedig, als kopfüber hängenden Märtyrer darstellte, löste er einen Skandal aus. Tintoretto malte immer hochdramatisch, im riesigen Format und in rasanter Geschwindigkeit. Seine Zeitgenossen spotteten, dass er schon das fertige Bild ablieferte, während die Konkurrenten noch an den Entwürfen brüteten.

Tizian erkennt den Konkurrenten

Außergewöhnlich ist auch Tintorettos „Abendmahl“, das er im Todesjahr 1594 malte, eine chaotische Komposition voller rätselhafter Farben. Ein radikales Bild, das aber den Schrecken der Tischgesellschaft viel eher zeigt als Leonardo da Vincis fast 100 Jahre früher entstandenes berühmtes Fresko. Tintoretto ging bei dem eine Generation älteren Tizian in die Lehre, der ihn aber nach kurzer Zeit vor die Tür setzte. Tizian muss den Konkurrenten erkannt haben, der sich in einen Rausch von Farben malen konnte, egal ob er Heilige oder Adlige porträtierte. Vom göttlichen Licht seiner religiösen Bilder schwärmten schon die Zeitgenossen.