Kultur

Kabarett Viel Beifall für das Dusche-Ensemble bei der ausverkauften Premiere „Grüner wird‘s nicht!“ in der Klapsmühl’ / Politisch unkorrekte Pointen zum Umweltschutz

Gretanisierung der Welt

Archivartikel

„Grüner wird‘s nicht“ behauptet das Mannheimer Kabarett Dusche in seinem neuen Programm und trifft damit ins Schwarze. Auch deshalb, weil das Trio die politische Hype-Farbe herrlich bunt durchdekliniert – was der klassischen Farbenlehre entspricht. Schließlich mischt Grün bei Türkis, Gelb, ja Weiß kräftig mit. Bei der mit viel Applaus bedachten Premiere in der knallvollen Klapsmühl‘ springt die Ampel auf Grün – jedenfalls für die Aussicht auf eine Erfolgsinszenierung.

Hans Georg Sütsch mimt nicht nur in der Auftaktnummer den Klimaschützer mit Lauf-Leidenschaft zwischen Mannheim und Ludwigshafen. „Er ist der Kenianer unter den Kabarettisten“, bewundert Josefin Loessl. Auch sie ist per Wadenkraft gekommen, allerdings radelnd und mit Schlingerkurs zwischen schlechtem Gewissen (wovon das „Scham-Lied“ kündet) und noch nicht ausgemerzten Umweltsünden der alltäglichen Art. Und Wolfgang Schmitter, Überlebender des „sauren Regens“, rühmt sich, immerhin sein Deo vom Spray auf Stick umgestellt zu haben. Klar, dass für ihn das Auto mindestens so wichtig ist wie für Veganer Tofu. Nicht gerade politisch korrekt, aber herrlich anschaulich ziehen sich die drei Symbolfiguren durchs Programm.

Wolfgang Marschall, Volkmar Staub und Frederic Hormuth haben sich als Autoren topaktuelle Texte mit viel Wortwitz einfallen lassen, die das Ensemble – betreut von Regisseur Jürg Hummel – meist zu dritt, aber auch als Duo (Liesel und Monfred ) oder in Solo-Einlagen mit viel Spielfreude rüberbringt: mal köstlich-komisch, dann wieder bitterböse, aber nie oberlehrerhaft.

Lieder über Robert Habeck

An der bezopften Klimaretterin – „die Welt ist gretanisiert!“ – kommt nicht einmal die AfD vorbei und gründet einen alternativen Umweltarbeitskreis mit so wichtigem Anliegen, wie die asiatische Tigermücke loszuwerden. Schließlich sollte deutsches Blut deutschen Stechmücken vorbehalten bleiben. Bei der Expedition in die Polit-Farbenlehre tauchen noch weitere Töne auf. Auch der „Roten“ gedenken die Spott-Duscher und versuchen, herauszufinden, warum bei der SPD „so viel Tunnel am Ende des Lichtes“ ist. Ob es mit den alten „Gesinnungs-Amöben“ (auch Wechseltierchen genannt) zusammenhängt? Selbstredend „sprießen“ die Grünen besonders üppig – was auch für den Dreitagebart von Superstar Robert Habeck gilt. Dem Philosophie-Politiker und „Hutschi-Knutschi-Mann“ sind gleich mehrere Lieder gewidmet. Überhaupt beflügelt die Musik – wie in den Vorjahren von Profi Willi Haselbek arrangiert – und lässt den Abend zum Genuss werden. Hinzu kommt die Dreigroschenoper-Ballade von der Seeräuber-Jenny.

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