Kultur

Nachruf Der Comedian und Journalist Herbert Feuerstein ist im Alter von 83 Jahren gestorben / Bekannt als Sidekick in „Schmidteinander“ und als Reisereporter

Groß geworden im Schatten von Harald Schmidt

Archivartikel

Kleine Männer sind erstmal im Nachteil. Vor allem wenn sie an ganz große Egos geraten. Herbert Feuerstein (1,65 Meter) war von 1990 bis 1994 der Prügelknabe von Harald Schmidt, der 29 Zentimeter größer war als er. In „Schmidteinander“ waren für ihn die Pointen und Lacher reserviert. Feuerstein war der Sidekick, der eins draufbekam. Am Dienstag ist Feuerstein im Alter von 83 Jahren gestorben.

Die Gegensätzlichkeit des Duos machte wohl einen großen Teil seines Erfolgs aus. Hier der für seine Schlagfertigkeit und Bosheit gleichermaßen bekannte Zyniker, dort der verschmitzte Feuerstein, der sich stets in Bescheidenheit übte: „Ich kann mich nicht sonderlich leiden.“

Die Leute identifizierten sich mit dem Underdog. Außerdem – so sagte er einmal – profitierte er von Schmidts Trägheit: „Schmidt wurde relativ schnell faul und ließ mich alles schreiben, dadurch konnte ich die Inhalte an mich ziehen.“

Der Humorist, geboren im österreichischen Zell am See, hatte nach eigener Aussage eine alles andere als spaßige Jugend. Sein Vater war – und blieb – ein Nazi, die Mutter wünschte sich immer, dass er doch mal normal werden möge. Um dem zu entfliehen, begann er ein Musikstudium, das 1959 wegen Beleidigung des Hochschulpräsidenten mit einem Rauswurf endete.

Der Liebe wegen verschlug es ihn nach New York, wo er als Korrespondent arbeitete. 1973 wurde er Chefredakteur der deutschen Ausgabe der Satire-Zeitschrift „MAD“ und steigerte die Auflage von 10 000 auf 400 000. Er gilt als Erfinder wegweisender Comic-Vokabeln wie „Hechel“ und „Ächz“.

Auftritte in Operetten und Theater

Nebenbei begann er fürs Fernsehen zu schreiben und bekam in den 80ern seine erste Show „Wild am Sonntag“. Danach saß er im Rateteam der von Schmidt moderierten Show „Pssst …“, dann kam „Schmidteinander“. 1994 erhielt Feuerstein einen Bambi für seine „anarchistische Originalität“ und den „hemmungslosen Mut zum Chaos“. Danach wurde die Sendung eingestellt – Schmidt hatte die Lust daran verloren. Feuerstein soll der erste gewesen sein, der seine Karriere als Late-Night-Talker voraussah: „Als ich Schmidt kennenlernte, wusste ich sofort: Das ist der deutsche David Letterman.“

Feuerstein trat in Operetten und Theaterstücken auf, wurde Ratefuchs in „Was bin ich?“ und Reporter für „Feuersteins Reisen“. Außerdem schrieb er Bücher. Als er seinen 80. Geburtstag feierte, wünschte ihm Schmidt „ewiges Leben“. Das war auch eine Spitze des praktizierenden Katholiken gegen den „total gläubigen Atheisten“. Schmidts Begründung: „Strafe muss sein.“ 

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