Kultur

Jazz Duo Red & Grey im Ludwigshafener Wilhelm-Hack-Museum

Großartiger Abschiedsblues mit Höllen-Groove

Der Abschied, der Verlust ist dem Blues gewissermaßen ab (Kohlenberg-)Werk in die Seele geschrieben. Das Herz tut ohnehin schon weh, und wenn man am nächsten Morgen erwacht (auch das ein klassisches Blues-Motiv), wird der Sehnsuchtspunkt vollends außer Reichweite gerückt sein – in diesem Fall: das Ludwigshafener Wilhelm-Hack-Museum, das wegen Brandschutzmaßnahmen bis voraussichtlich Anfang Mai 2021 geschlossen bleibt.

Mit einem zweitägigen Programm hat es sich verabschiedet, und jenes endet mit dem Blues des Duos Red & Grey, hinter dem sich zwei illustre Musiker verbergen: Jörg Teichert, einer der rührigsten und interessantesten Gitarristen der Gegend, dessen Bandprojekte immer eine Begegnung lohnen. Und Erwin Ditzner, über den man nicht viele Worte verlieren muss, und wenn man es täte, würde es Bände füllen, in denen von Jazz und Rock und experimenteller Musik zu lesen wäre und die voll von Anerkennung und Staunen über seine freigeistige Vielseitigkeit und Virtuosität steckten. Der Auftritt von Red & Grey in der „Ditzners Club“-Konzertreihe des Hauses war schon für April angekündigt gewesen, wie Museumsdirektor René Zechlin den zahlreichen Zuhörern eröffnet, musste aber wegen Corona entfallen.

Spiel wie ein Uhrwerk

Jetzt ertönen sie doch: Teicherts Slide-Gitarre, die klingt, als wären ihre Saiten nach langer Wanderschaft durch Sumpfland und Staubstürme von Schmerz und Wehmut getränkt; dazu seine Gesangsstimme, die von langen mit Son House („Death Letter Blues“), Howlin’ Wolf („Spoonful“) und John Lee Hooker („Burning Hell“) am Lagerfeuer verbrachten Stunden geprägt scheint. Und Ditzner, dessen Spiel einen an eine komplex verzahnte Uhrwerk-Mechanik denken lässt, in der sich an unvorhersehbaren Stellen plötzlich Klangrädchen drehen, dessen Spielwitz (er trommelt mithilfe eines Gummischweinchen-Trios und einer Elektro-Zither) aber das Drehmoment eines höllischen Grooves im Hinterkopf behält. Großartig. 

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